Wer eine Gewohnheit aufgibt, findet schnell zahlreiche Alternativen, die sie ersetzen sollen. Wer heute durch eine Einkaufsstraße geht, sieht bunte Geräte und kleine weiße Dosen, die eine einfache Lösung versprechen. Doch wer ein tägliches Ritual durch ein anderes ersetzt, muss oft mit unerwarteten Folgen rechnen.
Ein Spezialist für Suchtmedizin behandelte kürzlich einen Patienten, der ohne großes Aufsehen mit dem Rauchen aufgehört hatte. Der Arzt wollte einschätzen, wie bereit der Mann war, seine Nikotinabhängigkeit insgesamt anzugehen.
Auf die Frage nach seinen Gewohnheiten erklärte der Patient, er sei auf Nikotinbeutel umgestiegen. Daraufhin fragte der Arzt, ob er eine medizinische Nikotinersatztherapie ausprobieren wolle.
Die Antwort überraschte den Arzt. „Ist das nicht das, was ich bereits benutze?“, fragte der Patient laut dem Wissenschaftsportal Videnskab.
Diese Reaktion verdeutlichte ein weit verbreitetes Missverständnis unter ehemaligen Rauchern. Nikotinbeutel können zwar das Rauchen ersetzen, enthalten jedoch keine Tabakblätter. Stattdessen legen Anwender einen kleinen weißen Beutel mit Nikotin und Aromastoffen unter die Lippe.
Aufgrund dieser vermeintlich „sauberen“ Anwendungsform halten viele Menschen Nikotinbeutel für Gesundheitsprodukte. Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde Food and Drug Administration (FDA) reguliert sie jedoch als Tabakprodukte. Als Arzneimittel sind sie nicht zugelassen.
Anerkannte Hilfsmittel zur Rauchentwöhnung werden in umfangreichen klinischen Studien geprüft, um Rauchern dabei zu helfen, ihre Nikotinzufuhr schrittweise und sicher zu reduzieren. Dazu gehören unter anderem Nikotinpflaster, Nikotinkaugummis und Nikotinlutschtabletten.
Risikobewertung
Der Verzicht auf das Rauchen von Tabak macht jedoch einen erheblichen Unterschied. Zigarettenrauch enthält Tausende giftige chemische Verbindungen.
Diese gefährliche Mischung ist laut The Conversation weltweit jedes Jahr für etwa 2,5 Millionen krebsbedingte Todesfälle verantwortlich. Krankenhäuser behandeln regelmäßig Raucher wegen schwerer Erkrankungen und Komplikationen wie der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) und Herz-Kreislauf-Versagen.
Da bei rauchfreien Alternativen keine Verbrennung stattfindet, sinkt die Belastung durch besonders gefährliche Schadstoffe und damit auch das unmittelbare Gesundheitsrisiko. Das bedeutet allerdings nicht, dass diese Produkte völlig harmlos sind. Auch Geräte, die Tabak lediglich erhitzen, anstatt ihn zu verbrennen, verringern die Schadstoffbelastung, werden von Gesundheitsbehörden aber weiterhin als Gesundheitsrisiko eingestuft.
Nikotin selbst macht stark abhängig und belastet das Herz-Kreislauf-System. Der Stoff kann die Herzfrequenz erhöhen, den Blutdruck verändern und die Funktion der Blutgefäße beeinflussen.
E-Zigaretten setzen weniger giftige Chemikalien frei als herkömmliche Zigaretten, doch auch das Einatmen ihrer Aerosole birgt Risiken. In diesen Geräten werden unter anderem Inhaltsstoffe wie Propylenglykol erhitzt und als Aerosol freigesetzt.
Obwohl Gesundheitsbehörden Propylenglykol in Lebensmitteln als „allgemein sicher“ einstufen, reagiert die Lunge anders darauf als der Verdauungstrakt. Die langfristigen Auswirkungen des täglichen Einatmens solcher Aerosole auf die Atemwege sind noch nicht vollständig geklärt.
Jenseits der Lunge
Bei der Verwendung von Nikotinbeuteln wird die Lunge vollständig umgangen. Die Anwender legen die Beutel unter die Lippe, wo das Nikotin direkt über die Mundschleimhaut aufgenommen wird.
Dennoch können die Beutel eine starke Wirkung entfalten. Ein einziger Beutel kann so viel Nikotin abgeben wie eine gewöhnliche Zigarette, manchmal sogar deutlich mehr.
Der Absatz von Nikotinbeuteln ist seit dem vergangenen Jahr stark gestiegen. Da sie isoliertes Nikotin und Aromastoffe anstelle von Tabakblättern enthalten, halten viele Menschen sie fälschlicherweise für harmlose Produkte.
Gesundheitsbehörden betonen, dass Nikotinbeutel nicht als Hilfsmittel zur Rauchentwöhnung zugelassen sind. Die dänische Gesundheitsbehörde warnt beispielsweise davor, dass die zunehmende Nutzung unter Jugendlichen die Sorge vor einer lebenslangen Nikotinabhängigkeit verstärkt.
Wer auf Zigaretten verzichtet, reduziert seine Belastung durch giftige Stoffe deutlich. Am sichersten ist es jedoch, vollständig auf Nikotin zu verzichten.