Die Befürchtungen eines russischen Vorgehens gegen die baltischen Staaten der NATO halten an, insbesondere mit Blick auf Estland. Einige Analysten argumentieren jedoch, dass der Kreml derzeit nicht bereit ist, diesen Schritt zu gehen.
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Stattdessen richtet sich die Aufmerksamkeit weiterhin auf andere Prioritäten, die Moskaus Strategie prägen.
Laut LA.LV hält der Politikwissenschaftler Wadim Denysenko einen Angriff auf die baltischen Staaten zum jetzigen Zeitpunkt für unwahrscheinlich. Er sagt, Russland gleiche konkurrierende Ziele aus, darunter die Schwächung der Europäischen Union, während es zugleich versucht, wirtschaftliche Beziehungen wiederherzustellen und Sanktionen zu lockern.
Denysenko wies auch Spekulationen zurück, wonach China ein solches Szenario unterstützen könnte.
„Viele sagen, China könnte in diesem ganzen Abenteuer ein Verbündeter Russlands sein, weil China Taiwan angreifen wolle und Russland entsprechend die baltischen Staaten. Ich halte das für absurd, denn China braucht ganz sicher keinen Krieg in Europa“, sagte er.
Vorsichtiger Kreml
Der Analyst verwies auf Chinas enge wirtschaftliche Verflechtungen mit Europa und schätzte die jährlichen Einnahmen auf rund $cbillion, was ein zentraler Grund dafür sei, dass Peking Instabilität in der Region vermeiden würde.
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Er beschrieb zudem die Entscheidungsfindung im Kreml als zunehmend inkonsistent, stärker von persönlichen Einschätzungen als von langfristiger Planung geprägt.
Auch innenpolitischer Druck spiele eine Rolle. Denysenko sagte, sinkende Lebensstandards sowie Störungen im Zusammenhang mit Einschränkungen des Internets und von Telegram trügen zur Zurückhaltung bei.
„Putin will derzeit keine riskanten Entscheidungen treffen. Daher ist die Wahrscheinlichkeit eines Angriffs auf die baltischen Staaten aktuell recht gering“, glaubt Denysenko.
Fokus auf die Ukraine
Anstatt sich auf NATO-Gebiet auszuweiten, bleiben Russlands unmittelbare Prioritäten Denysenko zufolge in der Ukraine.
Er argumentierte, dass jeder Schritt in Richtung Baltikum oder Osteuropa von den Entwicklungen dort abhängen würde.
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„Ohne das glaube ich nicht, dass sie bereit sein werden zu handeln, insbesondere wenn auch die Europäer bereit sind, sich zu verteidigen.“
Dem Experten zufolge ist es für Moskau derzeit wichtiger, Odesa zu sichern und die Kontrolle über die Schwarzmeerküste zu stärken.
„Wenn er hier scheitert, wird er zögern. Ohne Mobilisierung werden sie nicht die Kraft haben, voranzukommen“, sagte er.
Wachsende Besorgnis
Trotz dieser Einschätzung halten die Warnungen an. Der Journalist Witalij Portnikow hat angedeutet, dass Russland versuchen könnte, in Estland Spannungen zu erzeugen, unter Anwendung von Taktiken aus früheren Konflikten.
Andere Analysten haben auf Narva, eine Grenzstadt mit einem großen russischsprachigen Bevölkerungsanteil, als möglichen Brennpunkt hingewiesen.
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Auch Bild berichtete über angebliche russische Informationskampagnen, die separatistische Narrative in der Region fördern.
Quellen: LA.LV, Bild