Washington zeigt sich zuversichtlich in seinem Konflikt mit dem Iran. Doch Äußerungen aus jüngsten diplomatischen Treffen deuten hinter verschlossenen Türen auf eine vorsichtigere Einschätzung hin. US-Außenminister Marco Rubio hat öffentlich und privat unterschiedliche Erwartungen geäußert, was unterstreicht, wie unsicher die Lage weiterhin ist.
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Nach dem G7-Treffen am Freitag in Frankreich sagte Rubio gegenüber Reportern, der Krieg solle innerhalb von „Wochen, nicht Monaten“ enden, berichtet DR. Seine Aussage deutete darauf hin, dass die Regierung davon ausgeht, dass die Operation rasch voranschreitet.
In privaten Gesprächen wirkte der Ton jedoch zurückhaltender. Mit den Gesprächen vertraute Personen sagten Axios, Rubio habe angedeutet, dass der Konflikt noch zwei bis vier Wochen andauern könnte.
Der Unterschied spiegelt wider, wie ungewiss der Zeitrahmen weiterhin ist, insbesondere da die Kämpfe andauern und Verhandlungen noch nicht Gestalt angenommen haben.
Fragile Kommunikation
Der diplomatische Kontakt zwischen Washington und Teheran erfolgt weiterhin indirekt. Die USA warten auf eine Antwort auf einen 15-Punkte-Plan, der über Pakistan übermittelt wurde, das in Spannungsphasen bereits zuvor als diskreter Vermittler fungiert hat.
„Wir haben noch keine Antwort erhalten“, sagte Rubio laut DR. Er fügte hinzu, es gebe Anzeichen für Gesprächsbereitschaft in Teilen der iranischen Führung, die seiner Einschätzung nach durch den anhaltenden Konflikt geschwächt worden sei.
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Axios berichtet, dass die Kommunikation durch Sicherheitsbedenken verlangsamt wurde. Iranische Beamte schränken die Nutzung von Telefonen ein, um eine Entdeckung zu vermeiden, was es Vermittlern erschwert, Nachrichten zu übermitteln.
Selbst dort, wo Interesse an Gesprächen besteht, scheint die Entscheidungsgewalt an der Spitze konzentriert zu sein, wodurch die Verhandlungen derzeit ins Stocken geraten.
Druck und Positionierung
Die militärische Planung läuft parallel zu den diplomatischen Bemühungen weiter. Berichte des Wall Street Journal zufolge hat das Pentagon erwogen, Tausende weitere Bodentruppen zu entsenden, auch wenn noch keine Entscheidung bestätigt wurde.
Rubio wies diese Option zurück und sagte: „Wir liegen vor dem Zeitplan und können dies ohne Bodentruppen erreichen.“
Gleichzeitig berichtet Axios, dass in den vergangenen Tagen zusätzliche US-Streitkräfte in der Region positioniert wurden, wodurch die Möglichkeit einer Eskalation offen bleibt, falls die Gespräche scheitern.
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Rubio verwies zudem auf die Straße von Hormus als zentralen Risikofaktor. Etwa ein Fünftel der weltweiten Ölversorgung passiert diese enge Passage, was sie zu einem kritischen Punkt für die internationalen Märkte macht. Er deutete an, dass nach dem Krieg alliierte Marinepatrouillen erforderlich sein könnten, um die freie Durchfahrt zu sichern.
Sollte die Diplomatie scheitern, könnte die nächste Phase verstärkte militärische Maßnahmen oder einen verschärften wirtschaftlichen Druck umfassen. Bislang hat keiner der beiden Wege zu einer entscheidenden Veränderung geführt.
Quellen: DR, Axios, Wall Street Journal