Doch ukrainische Geheimdienste warnten letzte Woche, dass russische Beamte aktiv Pläne ausarbeiteten.
Wenn ein großer Konflikt sich über mehrere lange Jahre zieht, verbreiten sich Gerüchte darüber, wer an die Front gerufen werden könnte, wie ein Lauffeuer.
Familien tuscheln, junge Männer überprüfen ihre Telefone, und bevorstehende politische Ereignisse sind von einer leisen Furcht begleitet.
Allein die Ungewissheit kann eine ganze Nation erschüttern, lange bevor ein offizieller Befehl unterzeichnet wird.
Zurückweisung der Behauptungen
Der russische Präsident Wladimir Putin hat sich entschieden gegen wachsende Spekulationen gewehrt, dass eine brandneue Welle der Militärmobilisierung unmittelbar bevorstehe.
In den sozialen Medien kursierten Gerüchte, Moskau plane, kurz nach den Regional- und Parlamentswahlen Ende dieses Monats eine neue Einberufung bekannt zu geben. Bei einem Gespräch mit Reportern am späten Dienstag wies der russische Staatschef diese weit verbreiteten Berichte vollständig zurück.
Laut einem Bericht von The Moscow Times wies Putin die Behauptungen in sehr scharfen Worten zurück. „Das ist völliger Unsinn. Das ist ein Informationsangriff auf Russland“, erklärte er in seiner ersten direkten Reaktion auf die Gerüchte.
Der Kreml hat Mobilisierungsberichte routinemäßig als Teil einer gezielten ausländischen Desinformationskampagne abgetan, die darauf abzielt, öffentliche Panik zu verursachen.
Doch ukrainische Geheimdienste warnten letzte Woche, dass russische Beamte aktiv Pläne zur Mobilisierung von 600.000 Männern für dieses Jahr und bis ins Jahr 2027 hinein ausarbeiteten.
Schatten der Vergangenheit
Die öffentliche Besorgnis im ganzen Land ist tief in der jüngsten Vergangenheit verwurzelt. Im September 2022 kündigten Beamte eine „Teilmobilisierung“ von 300.000 Reservisten an, nachdem sie ähnliche Pläne nur wenige Tage zuvor kategorisch dementiert hatten.
Diese plötzliche Entscheidung löste einen chaotischen Massenexodus von Männern im wehrpflichtigen Alter aus, die über internationale Grenzen flohen, um nicht in den Kampf geschickt zu werden.
Während die umfassende Invasion nun ihr fünftes Jahr durchläuft, sehen sich Militärkommandeure weiterhin mit anhaltendem Personalmangel entlang einer weitgehend festgefahrenen Frontlinie konfrontiert.
Einige Verteidigungsexperten warnen, dass eine weitere massive Mobilisierungswelle auf erhebliche logistische Hürden stoßen würde. Sie argumentieren, dass sie die zentralen taktischen Herausforderungen, denen die Truppen vor Ort derzeit gegenüberstehen, möglicherweise nicht lösen könnte.
Stille Gesetzesänderungen
Auch ohne eine öffentlichkeitswirksame Ankündigung haben stille Gesetzesänderungen stetig die Grundlage für zukünftige Einberufungen gelegt.
Die russischen Behörden haben ein zentralisiertes digitales Einberufungssystem eingeführt, das automatisch sofortige Reiseverbote für jeden auslöst, der eine Vorladung erhält.
Beamte sind zudem dazu übergegangen, Wehrpflichtige ganzjährig zu bearbeiten, während Reservisten „kritische Infrastruktur“ bewachen dürfen, ohne formell zum Dienst einberufen zu werden.
Zusätzlich zu diesen administrativen Änderungen weisen Militäranalysten darauf hin, dass das ursprüngliche Einberufungsdekret von 2022 vom Kreml nie offiziell aufgehoben wurde. Dieses Detail deutet darauf hin, dass Kommandeure möglicherweise nicht einmal ein neues öffentliches Dekret benötigen, um Tausende weitere Truppen auf das Schlachtfeld zu bringen.
Quellen: The Moscow Times, Reuters, Sputnik