Ein Plan, Großbritannien und Nordirland physisch miteinander zu verbinden, taucht immer wieder in politischen und technischen Diskussionen auf. Dieses Mal steht weniger die Vision im Vordergrund, sondern vielmehr die Frage, ob das Vorhaben finanziell überhaupt sinnvoll ist.
Der Vorschlag sieht eine feste Verbindung über den North Channel vor, die es Fahrzeugen ermöglichen würde, direkt zwischen dem britischen Festland und Nordirland zu verkehren.
Wie der Daily Express berichtet, kursiert die Idee seit Jahrzehnten und gewinnt häufig dann an Bedeutung, wenn Handels- oder Verkehrsverbindungen unter Druck geraten.
Auf dem Papier klingt es zunächst einfach: eine Brücke oder einen Tunnel bauen, den Bedarf an Fähren beseitigen und die wirtschaftlichen Beziehungen stärken. In der Realität ist die Lage jedoch deutlich komplizierter.
Ein Projekt mit enormen Kosten
Eine von der Regierung in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2021 verdeutlichte das Ausmaß der Herausforderung.
Unter der Leitung des Network-Rail-Vorsitzenden Sir Peter Hendy wurden die Kosten für eine Brücke auf rund 335 Milliarden Pfund geschätzt.
Ein Tunnel würde immer noch etwa 209 Milliarden Pfund erfordern.
Damit würde das Projekt in jedem Fall zu den teuersten Infrastrukturvorhaben zählen, die jemals in Europa in Betracht gezogen wurden.
Und die Kosten sind nur ein Teil des Problems.
Gefährliche Gewässer und verborgene Risiken
Der betroffene Meeresabschnitt gilt als besonders schwierig. Starke Strömungen durchziehen den North Channel, und der Meeresboden ist uneben und stellenweise sehr tief.
Hinzu kommt Beaufort’s Dyke. Dieser Graben, der nach beiden Weltkriegen zur Entsorgung von Munition genutzt wurde, enthält große Mengen an nicht explodiertem Material.
Bauarbeiten in der Nähe würden äußerste Vorsicht erfordern, was die Arbeiten wahrscheinlich verlangsamen und die Kosten weiter erhöhen würde.
Der Architekturprofessor Alan Dunlop äußerte sich 2018 deutlich optimistischer. Laut der Zeitung bezeichnete er das Vorhaben als „machbar“ und meinte, es könne helfen, Handelsspannungen nach dem Brexit zu entschärfen.
Er schlug zwei Haupttrassen vor:
Die eine würde sich über etwa 27 Meilen zwischen Portpatrick in Schottland und Larne in Nordirland erstrecken.
Eine andere, deutlich kürzere Option würde rund 12 Meilen von der Halbinsel Kintyre bis in die Grafschaft Antrim verlaufen.
Große Ambitionen, aber kein klarer Weg nach vorn
Dunlop bezeichnete das Projekt als „keltische Brücke“ und veranschlagte die Kosten auf etwa 15 Milliarden Pfund. Diese Summe erscheint im Vergleich zu späteren offiziellen Schätzungen heute auffallend niedrig.
Die Hendy-Studie kam nicht zu dem Schluss, dass das Projekt unmöglich sei. Sie stellte klar, dass es technisch umsetzbar wäre. Das Problem sind die Kosten. Der Bericht kam zu dem Ergebnis, dass es unter den derzeitigen Bedingungen „nicht zu rechtfertigen“ ist.
Dennoch besteht ein gewisser Spielraum für Veränderungen. Fortschritte in der Verkehrstechnologie, insbesondere bei autonomen Systemen, könnten künftig beeinflussen, wie eine solche Verbindung gestaltet wird.
Derzeit ist die Kluft zwischen Vision und Realität jedoch enorm. Noch bevor mit dem Bau begonnen wird, reichen allein die Zahlen aus, um das Projekt zum Stillstand zu bringen.
Quellen: Daily Express