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Chemikalien aus bildschirmen in gefährdeten delfinen nachgewiesen

Chemikalien aus bildschirmen in gefährdeten delfinen nachgewiesen
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In Gehirngewebe gefährdeter Delfine und Schweinswale im Südchinesischen Meer sind laut einer neuen Studie Industriechemikalien aus elektronischen Bildschirmen nachgewiesen worden.

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Wissenschaftler sagen, die Entdeckung sei besonders alarmierend, da sie darauf hindeute, dass die Schadstoffe die Blut-Hirn-Schranke überwinden können, was weitergehende Bedenken hinsichtlich ökologischer und potenzieller Risiken für die menschliche Gesundheit aufwerfe.

Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Environmental Science & Technology veröffentlicht und vom Guardian aufgegriffen.

Alarmierende Gewebeproben

Forscher analysierten über einen Zeitraum von 14 Jahren gesammelte Proben von Indopazifischen Buckeldelfinen und Schweinswalen. Die Tests wiesen flüssigkristalline Monomere (LCMs) in mehreren Organen nach.

Während die höchsten Konzentrationen im Fettgewebe festgestellt wurden, fanden sich auch geringe Mengen im Gehirn. Labortests an Delfinzellen zeigten, dass die am häufigsten nachgewiesenen Verbindungen mit Veränderungen der Genaktivität in Zusammenhang standen, die mit DNA-Reparatur und Zellteilung verbunden sind.

„Das Vorhandensein von LCMs in ihren Gehirnen ist ein deutliches Warnsignal“, sagte Yuhe He, Forscher an der City University of Hong Kong und Mitautor der Studie. „Wenn diese Chemikalien bei Delfinen die Blut-Hirn-Schranke überwinden können, müssen wir uns Sorgen über mögliche ähnliche Auswirkungen beim Menschen machen, der durch kontaminierte Meeresfrüchte oder sogar Trinkwasser exponiert ist.“

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Was sind LCMs?

LCMs sind synthetische Chemikalien, die häufig bei der Herstellung von Bildschirmen für Fernseher, Computer und Smartphones eingesetzt werden. Sie regulieren die Lichtdurchlässigkeit und ermöglichen hochauflösende Displays.

Da sie so konzipiert sind, dass sie in elektronischen Geräten stabil bleiben, können sie nach ihrer Freisetzung in die Umwelt dort fortbestehen. Wissenschaftler sagen, diese Beständigkeit führe dazu, dass sie sich in Luft, Wasser und marinen Ökosystemen nur langsam abbauen.

„Diese lichtemittierenden organischen Chemikalien wurden so entwickelt, dass sie sehr stabil sind, damit sie in Ihren Fernseh-, Computer- und Smartphone-Bildschirmen lange halten“, sagte He. „Ironischerweise ist genau diese Stabilität das Problem für die Umwelt: Sie bauen sich nicht leicht ab.“

Weg durch das Nahrungsnetz

Die Studie stellte zudem fest, dass ähnliche Schadstoffe in Fischen und wirbellosen Tieren nachgewiesen wurden, die Teil der Nahrung der Delfine sind, was darauf hindeutet, dass sich die Chemikalien entlang der Nahrungskette anreichern.

Obwohl viele Hersteller in den vergangenen Jahren auf LED-basierte Displays umgestellt haben, beobachteten die Forscher, dass die Belastungswerte bei Meeressäugern offenbar die industriellen Nutzungsmuster im Zeitverlauf widerspiegeln.

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Quellen: The Guardian, Environmental Science & Technology