Eine subtile, aber bedeutsame Veränderung vollzieht sich innerhalb der Europäischen Union. Gespräche, die früher frei geführt wurden, sind nun zurückhaltender, mitunter bewusst eingeschränkt. Was Beamte am meisten beunruhigt, sind nicht bestätigte Lecks, sondern die zunehmende Erwartung, dass sensible Diskussionen möglicherweise nicht vertraulich bleiben.
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Das System der EU beruht auf Diskretion, insbesondere bei der Koordinierung der Reaktionen auf Russlands Krieg in der Ukraine. Dieses Gleichgewicht gerät zunehmend ins Wanken.
Diplomaten berichten, dass der Austausch selektiver geworden ist, insbesondere bei vertraulichen Angelegenheiten. In der Praxis kann dies Entscheidungsprozesse verlangsamen, da einige Verhandlungen über Sanktionen und Sicherheit zunehmend in kleinere, informelle Runden verlagert werden.
Wie ein hochrangiger Diplomat Politico sagte: „Wir ergreifen alle möglichen Vorsichtsmaßnahmen, um vertrauliche Treffen und Informationen zu schützen.“ Die Veränderung spiegelt eher eine breitere Verhaltensanpassung wider als einen einzelnen Vorfall.
Dies ist für Brüssel kein völlig neues Terrain, doch Beamte sagen, dass die Einsätze nun höher sind und die Risikobereitschaft geringer ist.
Fokus auf Deutschland
Ein Teil der Unruhe konzentriert sich laut Latvija Avize auf die rechtsextreme deutsche Partei Alternative für Deutschland (AfD), deren Vertreter Zugang zu gemeinsamen EU-Systemen haben, die detaillierte Aufzeichnungen aus hochrangigen Gesprächen enthalten.
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Personen mit direkter Kenntnis darüber, wie diese Plattformen genutzt werden, erklärten gegenüber Politico, dass es weniger um formale Zugriffsrechte geht als vielmehr darum, was nach dem Zugang geschieht.
Roland Theis, ein konservativer deutscher Abgeordneter mit Bezug zu EU-Angelegenheiten, sagte: „Ihre offensichtliche Nähe zu Putin … bereitet allen, denen die nationale Sicherheit am Herzen liegt, schlaflose Nächte.“
Anton Hofreiter, Vorsitzender des EU-Ausschusses des Bundestages, sagte: „Das Problem ist, dass wir eine Partei – die Alternative für Deutschland – haben, bei der der begründete Verdacht besteht, Informationen an China oder Russland weiterzugeben.“
AfD-Vertreter weisen die Vorwürfe zurück. Dennoch verändert bereits der bloße Verdacht das Verhalten in Brüssel.
Anhaltende Fragen zu Ungarn
Separate Bedenken im Zusammenhang mit Ungarn halten an. Die Washington Post berichtete, dass Außenminister Péter Szijjártó angeblich Informationen aus EU-Sitzungen an Russlands Sergej Lawrow weitergegeben habe.
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„Bei jedem EU-Treffen war Moskau über Jahre hinweg im Grunde mit am Tisch“, sagte ein ungenannter europäischer Sicherheitsbeamter.
Szijjártó wies die Vorwürfe als „Fake News“ zurück, während Polens Ministerpräsident Donald Tusk erklärte: „Wir haben das schon lange vermutet.“
Unterschiedliche Fälle, gleiche Wirkung: Zurückhaltung. Schon die Möglichkeit, dass Informationen nach außen dringen könnten, reicht aus, um Regierungen vorsichtiger agieren zu lassen und die Koordination zu erschweren, wenn Einigkeit am dringendsten benötigt wird.
Quellen: Latvija Avize, Politico, The Washington Post