Eine einfache Übung zum Gehirntraining könnte laut neuer Forschung einen langfristigen Schutz vor Demenz bieten und verändert damit die Sichtweise von Wissenschaftlern auf das kognitive Altern.
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Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein relativ geringer mentaler Aufwand Wirkungen haben könnte, die weit länger anhalten als erwartet, berichtet NBC News.
Überzeugende Belege
Eine große US-Studie hat ergeben, dass ältere Erwachsene, die eine spezielle Form des kognitiven Geschwindigkeitstrainings absolvierten, ein deutlich geringeres Risiko hatten, an Alzheimer oder anderen Demenzerkrankungen zu erkranken. Die von NBC News berichtete Untersuchung begleitete die Teilnehmenden über einen Zeitraum von bis zu 20 Jahren.
Bei der Studie handelt es sich um eine Langzeitnachbeobachtung der Untersuchung Advanced Cognitive Training for Independent and Vital Elderly (ACTIVE). Sie wurde in der Fachzeitschrift Alzheimer’s & Dementia: Translational Research & Clinical Interventions veröffentlicht.
Ein überraschendes Ergebnis
Teilnehmende, die über drei Jahre hinweg bis zu 23 Stunden eines geschwindigkeitsbasierten kognitiven Trainings absolvierten, wiesen ein um 25 Prozent geringeres Demenzrisiko auf als Personen ohne Training. Frühere Ergebnisse hatten bereits nach zehn Jahren positive Effekte gezeigt, doch die Dauerhaftigkeit dieses Effekts überraschte die Forschenden.
„Das ist sehr überraschend“, sagte Marilyn Albert, Direktorin des Alzheimer’s Disease Research Center der Johns Hopkins University, gegenüber NBC News. „So etwas hätte ich überhaupt nicht erwartet.“
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So funktionierte die Studie
Die vom National Institutes of Health (NIH) finanzierte Studie umfasste knapp 3.000 Erwachsene im Alter von 65 Jahren und älter ohne nennenswerte kognitive Beeinträchtigungen. Die Teilnehmenden wurden zufällig entweder einem Geschwindigkeitstraining, einem Gedächtnistraining, einem logischen Denktraining oder einer Kontrollgruppe zugeteilt.
Nur jene, die das Geschwindigkeitstraining sowie zusätzliche Auffrischungseinheiten absolvierten, zeigten ein verringertes Demenzrisiko. Die Diagnosen wurden anhand von Medicare-Daten erfasst, wobei alle Demenzformen in einer Kategorie zusammengefasst wurden.
Warum Geschwindigkeit zählt
Das Geschwindigkeitstraining konzentriert sich auf die rasche Verarbeitung visueller Informationen und schnelle Entscheidungsfindung. Fachleute erklären, dass es auf implizitem Lernen beruht, also auf unbewusstem Fertigkeitserwerb, und andere Hirnsysteme aktiviert als Auswendiglernen oder logisches Denken.
„Sobald sich das Gehirn für diese Fähigkeiten neu verschaltet, ist die Veränderung auch ohne fortgesetztes Training dauerhaft“, sagte die Harvard-Neurologin Dr. Sanjula Singh gegenüber NBC News.
Kein Allheilmittel
Expertinnen und Experten betonen, dass kognitives Training keine alleinige Lösung darstellt. Alzheimer ist eine komplexe Erkrankung, und keine einzelne Maßnahme kann sie vollständig verhindern.
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Dennoch sagen Neurologen, die Ergebnisse lieferten bislang die stärksten Belege dafür, dass gezieltes Gehirntraining eine langfristige kognitive Widerstandsfähigkeit aufbauen kann.
Größeres Bild der Prävention
Nach Angaben von NBC News könnten nahezu die Hälfte aller Demenzfälle verzögert oder reduziert werden, wenn Risikofaktoren wie Hörverlust, schlechte Herz-Kreislauf-Gesundheit, Sehprobleme und Bewegungsmangel angegangen würden.
Gehirntraining, so die Forschenden, könnte nun ebenfalls zu dieser Liste gehören.
Quellen: NBC News, Alzheimer’s & Dementia: Translational Research & Clinical Interventions, National Institutes of Health