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Putin verurteilt den Angriff, nennt Chamenei einen „herausragenden Staatsmann“

Vladimir Putin Ayatollah Ali Khamenei
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Der russische Präsident kritisierte die Angriffe als eklatanten Verstoß gegen internationale Normen und sprach der iranischen Führung und dem iranischen Volk sein persönliches Beileid aus.

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Iran hat bestätigt, dass der Oberste Führer Ajatollah Ali Chamenei bei gemeinsamen US-amerikanischen und israelischen Luftangriffen getötet wurde. Damit endet eine Amtszeit, die 1989 begann, berichtet France24.

Das Land tritt nun in eine verfassungsrechtliche Übergangsphase ein. Nach iranischem Recht greift eine vorübergehende Führungsregelung, bis die Expertenversammlung – ein 88-köpfiges, von den Wählern gewähltes, jedoch vom Wächterrat überprüftes Geistlichengremium – einen Nachfolger bestimmt.

Das Verfahren ist formalisiert, doch die Ergebnisse sind politisch. Iran tritt in diese Phase unter Sanktionen, angesichts wirtschaftlicher Belastungen und nach wiederholten Wellen innenpolitischer Proteste in den vergangenen Jahren ein. Die Führungsfrage ist daher nicht abstrakt. Sie berührt Sicherheit, Legitimität und regionale Machtprojektion.

Teheran hat eine Staatstrauer ausgerufen. Die Streitkräfte bleiben in Alarmbereitschaft.

Zwei unterschiedliche Systeme, eine Machtkonzentration

Das politische System Irans verbindet Wahlen mit geistlicher Aufsicht. Die Wähler bestimmen einen Präsidenten und ein Parlament, doch der Oberste Führer steht über ihnen als Oberbefehlshaber der Streitkräfte und als höchste Autorität über die Justiz, den staatlichen Rundfunk und zentrale Sicherheitsinstitutionen wie die Islamischen Revolutionsgarden. Kandidaten für das Parlament und das Präsidentenamt müssen vor ihrer Zulassung zu den Wahlen vom Wächterrat gebilligt werden.

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Nach der Klassifizierung des V-Dem-Instituts von 2024 wird Iran als elektorale Autokratie eingestuft. Russland wird in derselben Kategorie geführt.

Die verfassungsrechtliche Struktur Russlands unterscheidet sich. Formal ist das Land eine semipräsidentielle Republik mit einem direkt gewählten Staatsoberhaupt. In der Praxis hat sich die Macht jedoch zunehmend um Präsident Wladimir Putin konzentriert.

Regionale Gouverneure werden eng von Moskau aus gesteuert, das nationale Fernsehen wird vom Staat dominiert, und Oppositionsvertreter sehen sich erheblichen politischen und rechtlichen Hürden gegenüber. Das Präsidentenamt gibt die strategische Richtung vor.

Die ideologischen Grundlagen unterscheiden sich – geistliche Vormundschaft in Iran, säkulare präsidentielle Autorität in Russland –, doch beide Systeme stützen sich stark auf eine zentralisierte Kontrolle an der Spitze.

Moskau verurteilt den Angriff

In einer vom Kreml veröffentlichten und von Reuters zitierten Mitteilung bezeichnete Präsident Wladimir Putin die Tötung als „einen Mord, begangen unter zynischer Verletzung aller Normen menschlicher Moral und des Völkerrechts“. Er fügte hinzu, Chamenei werde in Russland als „herausragender Staatsmann“ in Erinnerung bleiben, der wesentlich zu den bilateralen Beziehungen beigetragen habe.

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Das russische Außenministerium verurteilte die US-israelische Operation gesondert und rief zu einer Rückkehr zu einer diplomatischen Lösung auf.

Gleichzeitig hat Moskau keine militärische Unterstützung angekündigt. Reuters berichtet, dass das 20-jährige strategische Partnerschaftsabkommen, das 2025 zwischen Russland und Iran unterzeichnet wurde, keine gegenseitige Beistandsklausel enthält. Russland ist weiterhin stark in seinen Krieg in der Ukraine eingebunden und steht unter umfangreichen westlichen Sanktionen, was seinen Spielraum für eine Eskalation begrenzt.

Hinzu kommt eine wirtschaftliche Dimension. Iran ist Teil von Russlands Handelsstrategie in Zeiten der Sanktionen, unter anderem über den Nord-Süd-Transportkorridor, der Russland mit Märkten in Südasien verbindet. Eine anhaltende Destabilisierung Irans könnte diese Route erschweren.

Die Ölmärkte reagierten unmittelbar auf die Angriffe. Höhere Preise könnten kurzfristig die russischen Exporterlöse steigern. Ob dies die längerfristige geopolitische Unsicherheit ausgleicht, ist weniger klar.

Quellen: Reuters; France24; V-Dem-Institut, Regimeklassifizierung 2024.

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