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Russland stuft Protagonisten eines Oscar-prämierten Dokumentarfilms als „ausländischen Agenten“ ein

teacher showing Russia flag to group of preteen schoolchildren in classroom during lesson
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Ein russischer Lehrer, der in einem preisgekrönten Film zu sehen ist, ist offiziell ins Visier der Behörden geraten, während der Druck auf Stimmen wächst, die das Leben im Land dokumentieren. Die Entscheidung folgt auf internationale Anerkennung für einen Dokumentarfilm, der Veränderungen in Russland während des Krieges darstellt.

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Pavel Talankin, der in dem dänischen Dokumentarfilm Mr. Nobody Against Putin auftritt, ist in das russische Register der „ausländischen Agenten“ aufgenommen worden, berichtet Reuters unter Berufung auf das russische Justizministerium.

Die Bezeichnung wird zunehmend auf Kritiker des Staates angewendet, insbesondere seit die entsprechenden Gesetze in den vergangenen Jahren auf einen größeren Personenkreis ausgeweitet wurden.

Gerichtsentscheidung und Reaktionen

Die Einstufung erfolgt zeitgleich mit einer Gerichtsentscheidung in Tscheljabinsk, den Film zu verbieten, berichtet die BBC.

Eine staatlich angebundene Menschenrechtsorganisation hatte zuvor Bedenken geäußert, dass Schulkinder ohne die Zustimmung ihrer Eltern in dem Material zu sehen seien.

Das Gericht schloss sich dieser Argumentation an und ging noch weiter, indem es feststellte, dass der Dokumentarfilm Elemente von „Terrorismuspropaganda“ enthalte.

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Kritik kam auch aus dem russischen Kulturbereich. Regisseur Nikita Michalkow bezeichnete den Film als ein „beschämendes Manifest des Hasses gegen Russen“.

Einblick in den Film

Der Oscar-prämierte Dokumentarfilm begleitet Talankin, bekannt als „Pascha“, dabei, wie er dokumentiert, wie der Krieg in der Ukraine die Botschaften in russischen Klassenzimmern verändert hat.

Heimlich gedreht zeigt das Material, wie offizielle Narrative in die Schulen einsickerten – ein Thema, das dem Film über seinen Oscar hinaus internationale Aufmerksamkeit verschaffte.

Talankin verließ Russland später. Rückblickend auf diese Zeit erklärte Produzentin Helle Faber gegenüber der dänischen Zeitung Ekstra Bladet, dass das Team zunehmend nervöser wurde, je näher seine Ausreise rückte.

„Im Vorfeld der Sommerferien wurden wir, glaube ich, alle immer paranoider. Pascha wurde es, und wir ebenfalls. Denn wir waren so nah dran, und es durfte nichts schiefgehen“, sagte sie.

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Ein breiteres Muster

Faber erklärte, dass es nach seiner Ausreise zur nächsten Priorität wurde, Talankins Zukunft außerhalb Russlands zu sichern, während die Behörden offenbar vermieden, sich öffentlich mit dem Film auseinanderzusetzen.

Anstatt ihn offen zu thematisieren, habe man versucht, seine Existenz vollständig zu ignorieren.

Sein Fall fügt sich in ein breiteres Muster ein, in dem Lehrkräfte, Filmemacher und Journalisten rechtliche und politische Konsequenzen für Darstellungen erfahren, die von der offiziellen Linie abweichen – insbesondere, wenn es darum geht, wie der Krieg jüngeren Generationen vermittelt wird.

Quellen: Reuters, BBC, Ekstra Bladet

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