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Verborgene Folgen des Krieges lassen Millionen Ukrainer kämpfen

Little migrant child cry. Portrait of kid boy wipes tears. Evacuation children. War Ukraine
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Abseits der Frontlinien und der Berichte vom Schlachtfeld entfaltet sich in der Ukraine eine weitere Krise. Sie ist leiser, weniger sichtbar, betrifft jedoch jeden Tag Millionen von Menschen.

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Die psychische Belastung durch den Krieg ist inzwischen nicht mehr zu ignorieren.

Weit verbreitete Belastung

Laut 20minutes hat sich die psychische Gesundheit der Ukrainer seit Beginn des Krieges deutlich verschlechtert.

Eine Bewertung der Weltgesundheitsorganisation aus dem Jahr 2024 ergab, dass „68 % der Ukrainer im Vergleich zur Vorkriegszeit eine Verschlechterung ihres Gesundheitszustands berichten“, wobei die psychische Gesundheit am stärksten betroffen ist.

Nahezu die Hälfte der Bevölkerung leidet inzwischen unter psychischer Belastung im Zusammenhang mit dem Konflikt.

Alltäglicher Druck

Ständige Luftalarmmeldungen, Raketenangriffe und Unsicherheit haben einen dauerhaften Zustand der Angst geschaffen.

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„Fast jeder in der Ukraine kennt jemanden, der das Land verlassen hat, jemanden, der an der Front lebt, oder jemanden, der derzeit Teil der Armee ist, und daher gibt es viel Stress oder Sorge um Angehörige“, sagte Victoria Perez von Handicap International.

Je näher Menschen an aktiven Kampfzonen leben, desto stärker wird der Druck.

Gestörtes Leben

Grundlegende Alltagsroutinen sind durch Stromausfälle, eingeschränkte Dienstleistungen und wirtschaftliche Schwierigkeiten durcheinandergeraten.

Jeremy Fusco von Ärzte ohne Grenzen sagte: „Es ist für jeden, der direkt oder indirekt mit konfliktbedingter Gewalt konfrontiert ist, schwierig, ein Leben zu führen, das einem normalen Leben ähnelt.“

Für besonders gefährdete Gruppen wie ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen ist die Situation noch gravierender.

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Trauer und Schuldgefühle

Verluste treten in vielerlei Form auf – von Todesfällen im Kampf bis hin zur Trennung von Familien und Gemeinschaften.

Einige trauern um Angehörige, andere um den Verlust ihres Zuhauses, ihrer Stabilität und ihrer Zukunftspläne.

„Manche Menschen leben unter Bedingungen, die Internaten ähneln, in temporären Unterkünften, die auf unbestimmte Zeit verlängert wurden, während andere ihr Leben komplett neu organisieren mussten“, erklärte Fusco.

Stilles Leiden

Helfer berichten, dass viele Ukrainer zögern, Hilfe in Anspruch zu nehmen, und ihre eigenen Probleme oft herunterspielen.

„Sie dachten: ‚Mir geht es nicht so schlecht‘“, bemerkte Victoria Perez, selbst wenn Unterstützung notwendig ist.

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Gleichzeitig empfinden manche Schuldgefühle – sowohl wegen ihrer Traurigkeit als auch wegen Momenten des Glücks.

„Man muss sich nicht schuldig fühlen, wenn man nicht die ganze Zeit traurig ist“, sagte Perez und warnte, dass unbehandeltes Trauma langfristige Folgen haben könnte.

Quellen: 20minutes, WHO, Handicap International, Ärzte ohne Grenzen