Wenn Deutschland seine wirtschaftliche Zukunft absichern will, führt der Blick zunehmend nach Süden und Osten. Der Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz in Indien ist Teil dieser Neujustierung. Zwischen Symbolik und Interessen wird ausgelotet, wie belastbar die Partnerschaft wirklich ist.
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Indien ist für Berlin längst mehr als ein ferner Wachstumsmarkt. Das Land entwickelt sich zu einem geopolitischen Drehkreuz zwischen West und Ost. ZDFheute beschreibt die Reise von Merz als bewusste Schwerpunktsetzung, zumal der Kanzler China erst später besuchen will.
Auch europäisch ist der Zeitpunkt günstig. Nach Angaben von ZDFheute soll Ende Januar ein EU-Freihandelsabkommen mit Indien abgeschlossen werden. Merz reist damit nicht nur als deutscher Kanzler, sondern auch mit europäischer Erwartung im Gepäck.
Bühne Ahmedabad
Der Empfang in Ahmedabad wirkte wie ein sorgfältig inszenierter Auftakt. ZDFheute berichtet von militärischen Ehren, wie sie deutschen Gästen bislang nicht zuteilwurden. Die Botschaft: Indien misst dem Besuch Gewicht bei.
Der Ort selbst verstärkt diese Wirkung. Ahmedabad ist die Heimat von Premierminister Narendra Modi. Stationen wie der Ashram Mahatma Gandhis verbinden persönliche Biografie mit nationaler Geschichte.
Markt der Möglichkeiten
Hinter der Symbolik stehen handfeste Interessen. Mehr als 2.000 deutsche Unternehmen sind bereits in Indien aktiv. Das Handelsvolumen hat sich laut ZDFheute in kurzer Zeit auf rund 50 Milliarden Dollar verdoppelt.
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Merz wird von Spitzenmanagern begleitet, die Indien als Markt mit langem Atem sehen. Für die deutsche Industrie ist das Land ein Versprechen – aber auch ein Wettlauf mit anderen globalen Akteuren.
Sicherheit und Talente
Ein besonders sensibler Bereich ist die Rüstungszusammenarbeit. Das Handelsblatt berichtet unter Berufung auf dpa von einer Absichtserklärung beider Länder zur engeren Kooperation. Ein mögliches U-Boot-Projekt mit Thyssenkrupp Marine Systems gilt als strategischer Türöffner.
Parallel sucht Deutschland Arbeitskräfte. Wie das Handelsblatts unter Verweis auf Angaben der Bundesanstalt für Arbeit berichtet, wächst die Zahl indischer Beschäftigter und Studierender in Deutschland deutlich. Fachkräfte werden damit zu einem weiteren Bindeglied zwischen beiden Ländern.
Der lange Schatten Moskaus
Wie ein Schatten liegt Russland über den Gesprächen. ZDFheute verweist darauf, dass Indien weiterhin umfangreich Öl aus Russland bezieht und doppelt so viel Handel mit Moskau treibt wie mit Berlin.
Für Merz ist das politisch heikel, besonders wegen des Kriegs gegen die Ukraine. Doch ohne eigene Energieangebote bleibt Deutschlands Einfluss begrenzt. Die Indien-Strategie ist deshalb weniger Sprint als Langstreckenlauf.
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Quellen: dpa, Handelsblatt, ZDFheute