Startseite Welt Zwischen Bündnistreue und inneren Bruchlinien: Washingtons Auftritt in München

Zwischen Bündnistreue und inneren Bruchlinien: Washingtons Auftritt in München

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Leigh Prather / Shutterstock

Von Freitag bis Sonntag findet in München die jährliche Sicherheitskonferenz statt, eines der wichtigsten internationalen Foren für Außen- und Sicherheitspolitik.

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Wenn sich die internationale Sicherheitspolitik in München versammelt, stehen globale Krisen im Mittelpunkt. Doch viele der amerikanischen Teilnehmer bringen politische Spannungen aus Washington mit, die auch außenpolitische Signale senden.

Mehr als 60 Staats- und Regierungschefs werden erwartet. Doch besonderes Augenmerk liegt auf der amerikanischen Delegation, die größer und politisch vielfältiger kaum sein könnte.

Transatlantische Spannungen

Wie der Tagesspiegel berichtet, wird die Gruppe von Außenminister Marco Rubio angeführt.

Nach den scharfen Worten von Vizepräsident J. D. Vance im vergangenen Jahr hoffen viele europäische Diplomaten nun auf einen verbindlicheren Ton aus Washington.

Rubio gilt innerhalb der Regierung als kalkulierbarer Akteur. Beobachter trauen ihm zu, die Beziehungen zu Europa weniger konfrontativ zu gestalten, auch wenn er zentrale Linien der Trump-Politik mitträgt.

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Für die europäischen Partner steht viel auf dem Spiel. Fragen der Ukraine-Unterstützung, der NATO-Verpflichtungen und der strategischen Abschreckung hängen maßgeblich von Entscheidungen in Washington ab.

Geheimdienste im Fokus

Mit Tulsi Gabbard nimmt auch die Direktorin der Nationalen Nachrichtendienste teil. Sie verantwortet unter anderem CIA und NSA und ist damit eine Schlüsselfigur für den transatlantischen Informationsaustausch.

Kritiker werfen ihr politische Nähe zu Moskau vor. Wall Street Journal berichtete laut Tagesspiegel zuletzt über interne Kontroversen im Umgang mit abgefangenen Geheimdienstinformationen.

Gerade für europäische Staaten, die stark auf US-Geheimdienstinformationen angewiesen sind, dürfte ihr Auftritt aufmerksam verfolgt werden.

Widerstand und Ambitionen

Neben Regierungsvertretern reisen mehrere profilierte Kritiker des Präsidenten an. Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom positioniert sich seit Monaten offensiv gegen Trump und wird als möglicher Präsidentschaftsbewerber gehandelt.

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Auch die demokratische Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez nutzt internationale Bühnen zur Vernetzung. Das Portal Axios berichtete laut dem Tagesspiegel bereits 2025 über mögliche Ambitionen für höhere Ämter im Jahr 2028.

Der demokratische Senator Mark Kelly, der sich juristisch mit der Regierung auseinandersetzt, sowie die republikanische Senatorin Lisa Murkowski stehen ebenfalls für inneramerikanische Bruchlinien. Murkowski sprach kürzlich auf Grönland von einem Vertrauen, das „mit wenigen Worten untergraben und zerstört wurde“.

Signalwirkung für Europa

Richard Grenell, früherer US-Botschafter in Berlin und heute Sondergesandter, sorgt ebenfalls für Aufmerksamkeit. Wie der Tagesspiegel berichtet, sagte er 2018 dem Sender Breitbart News: „Ich möchte unbedingt andere Konservative in ganz Europa, andere Führungskräfte, stärken.“

Grenell war während seiner Zeit als US-Botschafter in Berlin wegen mehrerer Äußerungen in Deutschland heftig kritisiert worden.

So wird die Sicherheitskonferenz nicht nur zur Debatte über globale Konflikte, sondern auch zum Spiegel amerikanischer Machtkämpfe. Für Europa stellt sich dabei vor allem eine Frage: Wie verlässlich bleibt Washington als Partner?

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Quellen: Tagesspiegel, Wall Street Journal, Axios, Breitbart News