Widersprüchliche Berichte vom Schlachtfeld sind nach einem Anstieg grenzüberschreitender Gewalt zwischen Pakistan und Afghanistan aufgetaucht.
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Beide Seiten melden schwere Verluste und unterstreichen damit, wie rasch sich die Konfrontation verschärft hat.
Angaben zu Opfern umstritten
Nach Angaben der Associated Press veröffentlichten afghanische und pakistanische Behörden nach nächtlichen Gefechten, die Luftangriffe und Schusswechsel an der Grenze umfassten, deutlich voneinander abweichende Zahlen.
Das afghanische Verteidigungsministerium erklärte, 55 pakistanische Soldaten seien getötet worden, zudem seien „mehrere weitere lebend gefangen genommen“ worden. Außerdem seien acht afghanische Soldaten getötet und elf verletzt worden. Mehrere pakistanische Posten und Stützpunkte seien zerstört worden.
Pakistanische Behörden wiesen diese Angaben zurück. Informationsminister Attaullah Tarar erklärte, zwei pakistanische Soldaten seien getötet und drei verletzt worden. Mosharraf Ali Zaidi, ein Sprecher von Premierminister Shehbaz Sharif, sagte, 133 afghanische Kämpfer seien getötet und mehr als 200 verletzt worden, und bestritt zugleich, dass pakistanische Soldaten gefangen genommen worden seien. Die Angaben beider Seiten konnten nicht unabhängig überprüft werden, berichtete AP.
„Offener Krieg“ ausgerufen
Inmitten der widersprüchlichen Darstellungen erklärte Pakistans Verteidigungsminister, der Konflikt habe einen Wendepunkt erreicht.
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AP berichtete, Khawaja Mohammad Asif habe auf X geschrieben, Islamabads „Geduld“ sei nach den als grenzüberschreitende afghanische Angriffe bezeichneten Vorfällen erschöpft.
„Unsere Geduld ist nun am Ende. Jetzt ist es ein offener Krieg zwischen uns“, sagte er.
Asif warf den Taliban-Behörden in Afghanistan vor, das Land „in eine Kolonie Indiens“ verwandelt und „Terrorismus exportiert“ zu haben. Eine unmittelbare öffentliche Reaktion aus Kabul auf diese Äußerungen blieb aus.
Waffenruhe bröckelt
Die Eskalation folgt auf eine fragile Waffenruhe, die laut AP vor Monaten unter Vermittlung Katars und der Türkei zustande gekommen war.
Pakistanische Behörden erklärten, jüngste Luftangriffe hätten Ziele in Kabul, Kandahar und der Provinz Paktia getroffen – als Reaktion auf grenzüberschreitende Angriffe. Afghanische Behörden bestätigten Angriffe, stellten die Zusammenstöße jedoch als Aggression aus Islamabad dar.
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Die erneuten Feindseligkeiten deuten darauf hin, dass diplomatische Bemühungen zur Stabilisierung der Grenze gescheitert sind, und wecken Sorgen vor einer länger anhaltenden Konfrontation zwischen den Nachbarstaaten.
Flüchtlinge betroffen
Die Gewalt hat auch die Bewegung von Zivilisten in der Nähe wichtiger Grenzübergänge beeinträchtigt.
Pakistanische Behörden erklärten, Dutzende afghanische Flüchtlinge, die sich nahe dem Grenzübergang Torkham aufhielten, seien nach Ausbruch der Kämpfe in sicherere Gebiete gebracht worden.
AP berichtete, dass Pakistan seit Oktober 2023 undokumentierte Migranten ausweist – eine Kampagne, die Millionen Menschen zur Rückkehr nach Afghanistan veranlasst habe. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks kehrten im vergangenen Jahr 2,9 Millionen Menschen zurück, in diesem Jahr bislang fast 80.000 weitere.
Quellen: Associated Press