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Russland fördert psychologische Beratungen für Frauen, die Mutterschaft ablehnen

Serious male doctor advising and discussing medical test results with female patient at desk in clinic
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Russlands demografische Abschwächung beschränkt sich nicht länger auf politische Debatten oder finanzielle Anreize. Sie zeigt sich zunehmend in der routinemäßigen medizinischen Versorgung, wo Gespräche über Familienplanung etwas anders geführt werden.

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Das Land verzeichnet seit Jahren sinkende Geburtenzahlen, mit etwa 1,22 Millionen registrierten Geburten im Jahr 2024, schreibt The Moscow Times. Prognosen von Rosstat deuten darauf hin, dass die Bevölkerung noch jahrzehntelang weiter schrumpfen könnte, was die Behörden unter Druck setzt, zu reagieren.

Dieser Druck beginnt sich auf den Ablauf von Arztterminen auszuwirken.

Leitlinien des Gesundheitsministeriums, auf die sich das in Moskau ansässige Nachrichtenmedium beruft, empfehlen Ärzten, psychologische Beratungen vorzuschlagen, wenn eine Frau angibt, keine Kinder bekommen zu wollen. Für Männer gilt diese Maßnahme nicht.

Ihre Fragebögen sind kürzer, stärker auf persönliche Umstände ausgerichtet, und ihre Antworten führen nicht zu Überweisungen. Zwei Patienten können ähnliche Antworten geben und dennoch unterschiedliche Empfehlungen erhalten.

Die Unterscheidung ist von Anfang an im System verankert.

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Wie es in der Praxis abläuft

Dies wird bei regulären Untersuchungen thematisiert, oft einmal im Jahr. Patienten setzen sich, füllen Formulare aus und gehen die üblichen Fragen durch. Dann sticht eine hervor.

„Wie viele Kinder möchten Sie haben, einschließlich der bereits geborenen?“, berichtet 20 Minutos.

Wenn die Antwort „keine“ lautet, wird eine Beratung bei einem Psychologen vorgeschlagen.

Andernorts haben Länder mit ähnlichen demografischen Rückgängen, darunter Japan und Teile Europas, stärker auf Kinderbetreuung oder mehr Flexibilität am Arbeitsplatz gesetzt.

Russlands Ansatz zielt stärker darauf ab, persönliche Entscheidungen im medizinischen Rahmen zu thematisieren.

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Weitere Auswirkungen

Die Leitlinien stehen im Zusammenhang mit anderen Maßnahmen der Familienpolitik. Russland hat die Regelungen zum Thema Abtreibung verschärft und die Förderung eines „kinderfreien“ Lebensstils eingeschränkt, berichtet 20 Minutos.

Sergej Leonow, Vorsitzender des Gesundheitsausschusses der Staatsduma, verteidigte den Ansatz:

„Eine Frau hat das Recht, zu entscheiden, wie sie ihr Leben führen möchte. Wenn sie jedoch aus irgendeinem Grund keine Kinder haben möchte, kann ein Psychologe ihr helfen, die Gründe zu verstehen.“

Die Behörden bezeichnen die Maßnahme als unterstützend. Andere verweisen auf Fragen der medizinischen Ethik und der Patientenautonomie, insbesondere wenn persönliche Entscheidungen Teil eines klinischen Prozesses werden.

Quellen: The Moscow Times, 20 Minutos

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