Die Diskussion über einen möglichen Austritt der Vereinigten Staaten aus der NATO hat sich von politischer Rhetorik zu einer realen Möglichkeit entwickelt. Was einst als undenkbar galt, wird nun auf höchster Ebene offen erörtert.
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Ein solcher Schritt könnte die globale Sicherheitsordnung neu gestalten und Bündnisse, die seit Jahrzehnten bestehen, grundlegend verändern.
Die NATO wurde 1949 gegründet und als kollektives Verteidigungsbündnis westlicher Staaten ins Leben gerufen, um der Ausbreitung der Sowjetunion entgegenzuwirken. Heute umfasst sie 32 Länder und bleibt ein Grundpfeiler der transatlantischen Sicherheit, berichtet The Guardian.
Im Zentrum steht Artikel 5, der einen Angriff auf ein Mitglied als Angriff auf alle wertet. Dieses Prinzip wurde bislang nur einmal angewendet – nach den Anschlägen vom 11. September 2001, als die Verbündeten die USA in Afghanistan unterstützten.
Warum die Spannungen steigen
Laut The Guardian hängen Donald Trumps jüngste Kritik teilweise mit seiner Frustration über die begrenzte Unterstützung der Verbündeten bei US-Militäreinsätzen gegen Iran zusammen.
Allerdings verpflichten die NATO-Regeln die Mitgliedstaaten nicht zur Unterstützung solcher Operationen, sofern kein Mitglied angegriffen wurde und entsprechende Konsultationen stattfinden.
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Trump bezeichnete das Bündnis als „Papiertiger“ und deutete an, ein Austritt sei „nicht mehr auszuschließen“, was auf eine verhärtete Haltung hindeutet.
Langjährige Kritik
Seine Skepsis ist nicht neu. Trump hat europäischen Mitgliedern wiederholt vorgeworfen, zu wenig in ihre Verteidigung zu investieren und sich zu stark auf den Schutz der USA zu verlassen.
2017 bezeichnete er die NATO als „obsolet“ und warnte später, dass Länder, die ihre Ausgabenziele nicht erfüllen, möglicherweise nicht verteidigt würden – und deutete sogar an, Russland könne gegen sie frei vorgehen.
Diese Aussagen haben Verbündete verunsichert und Fragen zur zukünftigen Stabilität des Bündnisses aufgeworfen.
Was die NATO leistet
Die Vereinigten Staaten spielen eine zentrale Rolle in der NATO, insbesondere durch ihr nukleares Arsenal und ihre umfangreiche militärische Präsenz in Europa.
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Stützpunkte in Ländern wie Deutschland und der Türkei gelten als entscheidend für die Abschreckung potenzieller Gegner.
Die NATO war zudem an wichtigen Einsätzen beteiligt – vom Kosovo 1999 bis zur fortlaufenden Unterstützung für die Ukraine, die dazu beigetragen hat, die russische Invasion zu verlangsamen, berichtet The Guardian.
Kann er tatsächlich austreten?
Rechtlich ist ein Austritt der USA aus der NATO nicht einfach. Ein Gesetz aus dem Jahr 2024 verlangt entweder eine Zweidrittelmehrheit im Senat oder die Zustimmung des Kongresses.
Dennoch warnen Experten, dass ein Präsident das Bündnis auch ohne formellen Austritt schwächen könnte.
Der ehemalige US-Botschafter bei der NATO, Ivo Daalder, erklärte, dass ein Truppenabzug oder der Rückzug der USA aus Führungsstrukturen der NATO die Verpflichtungen faktisch untergraben könnte, ohne gegen formale Regeln zu verstoßen.
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Globale Auswirkungen
Russland lehnt die Erweiterung der NATO seit langem ab, wobei Präsident Wladimir Putin bestrebt ist, die Beziehungen zwischen den USA und Europa zu schwächen.
Eine reduzierte Rolle der USA könnte osteuropäische Mitgliedstaaten anfälliger für künftige Bedrohungen machen.
Während Trump das Bündnis als ineffektiv darstellt, deutet die fortgesetzte Rolle der NATO in Abschreckung und gemeinsamer Verteidigung auf das Gegenteil hin und unterstreicht die Tragweite eines möglichen Austritts.
Quellen: The Guardian