Jahrelang wurden leuchtende Bildschirme für unruhige Nächte verantwortlich gemacht. Smartphones, Tablets und Laptops sollten den Schlaf durch ihr blaues Licht stören.
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Doch neue Forschungsergebnisse legen nahe, dass das Problem möglicherweise nicht das ist, was viele annehmen.
Laut BBC kann blaues Licht zwar die innere Uhr des Körpers beeinflussen, doch seine Wirkung durch alltägliche Geräte wird oft überschätzt. Experten sagen nun, dass der größere Faktor in der gesamten Lichtexposition und den täglichen Gewohnheiten liegt.
Der Mythos des blauen Lichts
Die Sorge um Bildschirme nahm zu, nachdem frühe Studien die Nutzung von Geräten am Abend mit verzögertem Einschlafen und einer geringeren Melatoninproduktion in Verbindung brachten.
Neuere Analysen zeichnen jedoch ein differenzierteres Bild. Eine Untersuchung ergab, dass die Bildschirmnutzung den Schlaf im Durchschnitt nur um wenige Minuten verzögerte.
Professor Jamie Zeitzer von der Stanford University sagte: „Aber die Menge an Licht, die von unseren Bildschirmen ausgeht, ist wirklich unbedeutend.“
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Er erklärte, dass viele Laborstudien den Effekt übertreiben, da die Teilnehmer zuvor ungewöhnlich schwachen Lichtverhältnissen ausgesetzt werden, bevor helles Licht eingesetzt wird.
Was wirklich zählt
Wissenschaftler betonen inzwischen, dass die gesamte Lichtexposition im Tagesverlauf eine deutlich größere Rolle spielt als die alleinige Nutzung von Bildschirmen.
Helles Licht am Morgen hilft, die innere Uhr zu regulieren, während geringere Lichtverhältnisse am Abend signalisieren, dass es Zeit ist, zur Ruhe zu kommen.
„Je mehr Licht Sie tagsüber bekommen, desto geringer ist der Einfluss des Lichts am Abend“, sagte Zeitzer.
Natürliches Tageslicht ist dabei besonders wichtig. Selbst ein bewölkter Tag liefert deutlich mehr Licht als Innenräume oder digitale Bildschirme.
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Lebensstil statt Bildschirme
Experten weisen zudem darauf hin, dass das Verhalten eine entscheidendere Rolle spielt als die Helligkeit. Aktivitäten auf Geräten, wie das Scrollen oder das Konsumieren anregender Inhalte, können das Gehirn länger aktiv halten.
„Es ist vielmehr der Inhalt als das Licht, der Menschen durch diese Geräte wach hält“, sagte Zeitzer.
Diese neue Einschätzung deutet darauf hin, dass das bloße Aktivieren von Blaulichtfiltern nur begrenzte Auswirkungen auf die Schlafqualität haben dürfte.
Extremes Experiment
Um die Theorie zu testen, folgte ein Journalist einem strengen Ansatz und blockierte blaues Licht mithilfe spezieller Brillen, Verdunkelungsvorhänge und abendlichem Kerzenlicht.
Während sich die Schlafdauer nicht wesentlich verbesserte, halfen die Maßnahmen dabei, eine konsistentere Abendroutine zu etablieren.
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Forscher sagen, dass solche Gewohnheiten als psychologische Signale wirken können, die dem Gehirn anzeigen, dass es Zeit ist, zur Ruhe zu kommen.
Praktische Empfehlungen
Anstatt sich ausschließlich auf Bildschirme zu konzentrieren, empfehlen Experten, die Tageslichtexposition zu erhöhen und einen klaren Unterschied zwischen Tag und Nacht zu schaffen.
Einfache Maßnahmen wie morgendliche Aufenthalte im Freien, hellere Innenräume am Tag und gedimmtes Licht am Abend können wirksamer sein.
Die Ergebnisse legen nahe, dass blaues Licht zwar eine Rolle spielt, jedoch bei weitem nicht der Hauptgrund für schlechten Schlaf ist.
Quellen: BBC