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Litauen befürchtet „ungarische“ Medienwende, während Tausende protestieren

Protest signs demonstration
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Eine vorgeschlagene Neuausrichtung des litauischen öffentlich-rechtlichen Rundfunks hat eine breitere Debatte über die Unabhängigkeit der Medien ausgelöst, die sich von politischen Kreisen auf die Straßen von Vilnius und in europäische Institutionen ausgeweitet hat. Was Behörden als technische Anpassungen beschreiben, wird von Kritikern als deutlich weitreichender angesehen.

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Die Besorgnis unter europäischen Medienorganisationen und juristischen Gremien wächst. Wie DR berichtet, haben mehrere öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten, darunter die BBC, das litauische Parlament aufgefordert, den Vorschlag zu überdenken.

Auch die Venedig-Kommission des Europarats hat Bedenken geäußert, insbesondere hinsichtlich Bestimmungen, die es erleichtern würden, die Führungsspitze von LRT abzusetzen.

Der ungarische Investigativjournalist Szabolcs Panyi zog bei einem Auftritt in Vilnius Parallelen zur Entwicklung in Ungarn im vergangenen Jahrzehnt.

„Genau so begann Viktor Orbán unmittelbar nach seinem Amtsantritt im Jahr 2010 seine Angriffe auf die ungarischen Medien. Es begann mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk“, sagte er laut LRT.

Für viele Beobachter unterstreicht dieser Vergleich die Befürchtung, dass schrittweise gesetzliche Änderungen nachhaltige institutionelle Folgen haben können.

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Protest im Fokus

Bis Mittwochabend hatte sich das Zentrum von Vilnius mit Demonstranten gefüllt, viele von ihnen mit Schildern zur Verteidigung der Pressefreiheit. Laut von DR zitierten Polizeischätzungen lag die Teilnehmerzahl bei etwa 10.000 – eine beachtliche Beteiligung für eine Stadt dieser Größe.

Die Kundgebung, organisiert unter dem Motto „Hände weg von der Meinungsfreiheit“, brachte Journalisten, Studierende und zivilgesellschaftliche Gruppen zusammen. Aus Teilen der Menge waren „Schande“-Rufe zu hören.

Von einer Bühne gegenüber dem Parlament richtete die erfahrene Journalistin Rita Miliūtė eine deutliche Botschaft an die Regierung.

„Ich, Rita Miliūtė, zeige der regierenden Mehrheit den Mittelfinger für ihre juristische Unwissenheit und ihre Unfähigkeit, den Staat zu führen“, sagte sie laut Delfi.

Sie fügte hinzu: „Ihr macht uns keine Angst“, was mit Applaus der Anwesenden aufgenommen wurde.

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Reform in der Kritik

Die Vorschläge zielen darauf ab, wie LRT geführt und beaufsichtigt wird. DR schreibt, dass sich die Regierung auf Prüfungsergebnisse beruft, die auf unklare interne Strukturen und Lücken in der Aufsicht hingewiesen haben.

Zu den diskutierten Änderungen gehören Anpassungen am Leitungsgremium des Senders, strengere Bedingungen für die Vergabe externer Produktionen sowie überarbeitete Regeln, die Führungswechsel ermöglichen, wenn Aufsichtsorgane dies für notwendig erachten.

Kritiker argumentieren, dass diese Maßnahmen zusammengenommen den Einfluss näher an die politische Macht verschieben könnten. Die Rechtsprofessorin Toma Birmontienė, die die Pläne für das Parlament geprüft hat, warnte: „Diese Einschränkungen bedeuten in der Praxis, dass das LRT-Gremium interne redaktionelle Kontrolle ausübt. Dies kann als Zensur von Inhalten wahrgenommen werden.“

Die Debatte hat in Litauen ein besonderes Gewicht, da der öffentlich-rechtliche Rundfunk seit der Unabhängigkeit im Jahr 1991 eng mit der demokratischen Entwicklung verbunden ist.

Dieses Erbe trägt dazu bei zu erklären, warum der aktuelle Vorschlag nicht nur im Inland, sondern auch innerhalb einer Europäischen Union auf Aufmerksamkeit stößt, die sich zunehmend auf rechtsstaatliche Standards konzentriert.

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Regierungsvertreter betonen, dass sich der Entwurf noch in Entwicklung befindet. Der Ausschussvorsitzende Kestutis Vilkauskas erklärte laut LRT, die Abgeordneten würden „Experten dazu konsultieren, wie der Vorschlag am besten angepasst werden kann“, und wies darauf hin, dass formelle Beratungen noch nicht begonnen haben.

Quellen: DR, Delfi, LRT