Ein tödlicher Luftangriff im Nordosten Nigerias hat neue Sorgen über militärische Taktiken ausgelöst, nachdem ein eigentlich gegen Militante gerichteter Angriff stattdessen Zivilisten traf.
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Der Vorfall verdeutlicht die anhaltenden Risiken in einem Konflikt, in dem Luftstreitkräfte häufig gegen bewaffnete Gruppen eingesetzt werden.
Mindestens 100 Menschen wurden getötet, als ein Luftangriff der nigerianischen Luftwaffe einen überfüllten Markt im Bundesstaat Yobe traf, berichtet NBC News unter Berufung auf die Associated Press.
Tödlicher Fehlschlag
Amnesty International erklärte, es habe die Opferzahl anhand von Berichten von Überlebenden nach dem Angriff am Samstag bestätigt.
Der Angriff richtete sich gegen ein Gebiet nahe der Grenze zu Borno, einer Region, die seit Langem von einem gewaltsamen Aufstand betroffen ist.
Lokale Behörden räumten ein, dass der Militäreinsatz fehlgeschlagen sei, Details bleiben jedoch begrenzt.
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Versagen der Aufklärung
Ein lokaler Sicherheitsbeamter sagte, der Angriff sei erfolgt, nachdem Berichte vorlagen, dass sich Kämpfer von Boko Haram in der Nähe versammelt hätten.
„Die Informationen wurden weitergegeben, und das Kampfflugzeug der Luftwaffe handelte auf Grundlage glaubwürdiger Erkenntnisse“, sagte er.
Analysten zufolge gehen solche Vorfälle jedoch häufig auf mangelhafte Aufklärung und schlechte Koordination zwischen den Kräften zurück.
Laut von NBC News zitierten Daten der Associated Press haben ähnliche Fehler bei Luftangriffen seit 2017 mindestens 500 Zivilisten das Leben gekostet.
Offizielle Reaktion
Die Regierung des Bundesstaates Yobe erklärte, die Operation habe sich gegen eine Hochburg von Boko Haram gerichtet, bestätigte jedoch, dass Zivilisten auf dem Wochenmarkt betroffen waren.
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Notfallteams wurden entsandt, um den Opfern zu helfen, während die Behörden zur Ruhe aufriefen.
Das Militär erklärte, es habe einen erfolgreichen Angriff auf eine „terroristische Enklave und ein Logistikzentrum“ durchgeführt.
Auf Berichte über getroffene Zivilisten ging es jedoch nicht direkt ein.
Anhaltender Konflikt
Nigeria steht weiterhin vor einer komplexen Sicherheitskrise, insbesondere im Norden, wo aufständische Gruppen in weiten Gebieten operieren.
Boko Haram und seine Abspaltung, die Islamische Staat Westafrika Provinz, gehören weiterhin zu den aktivsten militanten Organisationen.
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Der Einsatz von Luftangriffen ist zu einer zentralen Taktik geworden, doch wiederholte Fehler haben Bedenken hinsichtlich der Sicherheit von Zivilisten aufgeworfen.
Der jüngste Vorfall unterstreicht die menschlichen Kosten eines Konflikts, der seit mehr als einem Jahrzehnt andauert.
Quellen: NBC News, Associated Press