Ein Gipfel, der die globale Zusammenarbeit demonstrieren soll, ist bereits von geopolitischen Spannungen geprägt. Während sich die Vereinigten Staaten darauf vorbereiten, Staats- und Regierungschefs in Miami zu empfangen, richtet sich die Aufmerksamkeit auf eine ungeklärte Frage: Wird Russland erscheinen – und wenn ja, auf welcher Ebene? Washington hat seinen Schritt gemacht. Moskau lässt sich Zeit.
Das Weiße Haus hat bestätigt, dass Russland zum G20-Gipfel im Dezember eingeladen wird, im Einklang mit dem üblichen Protokoll für Mitgliedstaaten.
Laut The Moscow Times schlug Präsident Donald Trump einen vorsichtigen Ton an, als er gefragt wurde, ob Wladimir Putin teilnehmen werde.
„Ich weiß nicht, ob er kommt. Ich bezweifle ehrlich gesagt, dass er kommen würde.“
Gleichzeitig ließ er sich eine Hintertür offen: „Wenn er käme, wäre das wahrscheinlich sehr hilfreich.“
Signale und Strategie
Diese Mischung aus Einladung und Skepsis spiegelt den aktuellen Zustand der Beziehungen zwischen den USA und Russland wider. Eine Annäherung ist möglich, aber keineswegs garantiert.
Laut United24 haben russische Vertreter bestätigt, die Einladung erhalten zu haben, ohne sich auf einen konkreten Plan festzulegen. Der stellvertretende Außenminister Alexander Pankin deutete an, dass eine Entscheidung noch in einiger Entfernung liegt.
„Es gibt eine Einladung, auf höchster Ebene präsent zu sein, aber wir werden sehen, wenn der Termin näher rückt. Gott weiß, was bis dahin passieren wird“, sagte er in von TASS berichteten Äußerungen.
Für Moskau ist Mehrdeutigkeit nichts Neues. Seit der Invasion der Ukraine im Jahr 2022 ist sein Umgang mit internationalen Foren vorsichtig; oft werden Situationen gemieden, die politisch aufgeladen sein könnten.
Putin hat seit 2019 nicht mehr persönlich an einem G20-Gipfel teilgenommen. In den letzten Jahren erfolgten Auftritte online oder wurden an hochrangige Vertreter delegiert.
Ein wesentlicher Faktor ist der Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH), der Reisen in Mitgliedstaaten des Gerichts einschränkt und selbst dort diplomatische Spannungen verursacht, wo keine rechtlichen Risiken bestehen.
Was auf dem Spiel steht
Die Vereinigten Staaten sind kein Mitglied des IStGH, was ein Hindernis für einen möglichen Besuch beseitigt. Dennoch bleibt die Signalwirkung komplex.
Eine solche Reise hätte symbolisches Gewicht – sowohl für Washingtons Annäherungsversuche als auch für Moskaus globale Positionierung.
Trump hat angedeutet, dass er die Kommunikationskanäle wieder öffnen möchte, insbesondere im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine, berichtet The Moscow Times.
Er griff auch Russlands früheren Ausschluss aus der G8 auf und sagte: „Präsident Putin, er war darüber sehr verärgert – zu Recht.“
Damit stellt sich nicht mehr nur die Frage, ob Russland eingeladen wurde. Entscheidend ist, welches Signal Moskau senden will.
Ein Auftritt des Präsidenten würde auf eine – wenn auch begrenzte – Veränderung hindeuten. Die Entsendung einer Delegation hingegen würde den Status quo bestätigen.
So oder so wird die Entscheidung mehr sagen als jede formelle Erklärung.
Quellen: UNITED24 Media, The Moscow Times