Wenn ein Familienmitglied hinter den schweren Stahltüren eines modernen Gefängnissystems verschwindet, wird die Angst um dessen Sicherheit zu einem ständigen Begleiter.
Familien fühlen sich oft hilflos angesichts von Berichten über Gewalt oder Vernachlässigung, die aus den Schatten der Zellenblöcke dringen.
In einem Teil der Welt entsteht nun ein kontroverser neuer Markt, der diese spezifische Angst in ein monatliches Abonnement verwandeln soll.
Sicherheit zum Verkauf
In Russland wird Angehörigen von Häftlingen nun eine einzigartige Art von monatlicher Versicherung angeboten. Diese Policen sollen die Liebsten vor illegalen Handlungen des Gefängnispersonals oder vor Gewalt durch andere Gefangene schützen.
Laut der Zeitung Izvestia, zitiert von Digi24, vermarkten Organisationen diese Dienste als Schutzschild gegen die harten Realitäten des Lebens hinter Gittern.
Eine Gruppe, das Orthodoxe Zentrum für spirituelle Hilfe und Rechtsschutz, teilt potenziellen Klienten mit, dass Insassen häufig misshandelt *würden*.
Sie argumentieren, dass der Versuch, staatliche Stellen allein zu kontaktieren, oft zu teuer oder ineffektiv sei. Um diese Lücke zu schließen, geben sie an, mit der Russisch-Orthodoxen Kirche zusammenzuarbeiten und Geistliche einzusetzen, um die Sicherheit der Häftlinge zu überwachen.
Der Prozess umfasst die Ausstellung eines Versicherungsvertrags direkt an den Gefangenen. Eine Kopie wird dann an den Gefängnisleiter gesandt, um in die offizielle Akte des Häftlings aufgenommen zu werden.
Sollte es zu einer Verletzung kommen, versichert die Gruppe, dass das Dokument eine unabhängige medizinische Untersuchung gewährleiste. Dies ermögliche der Familie, rechtliche Schadensersatzansprüche gegen die Anstaltsleitung geltend zu machen.
Ein undurchsichtiger Markt
Jenseits formeller Zentren tauchen ähnliche Angebote in privaten Telegram-Gruppen auf. Anwälte in diesen digitalen Räumen versprechen, Probleme schnell zu lösen, wenn einem Gefangenen die medizinische Versorgung verweigert oder seine Rechte ignoriert werden.
Diese Policen sind nicht billig. Die Preise reichen von fünftausend bis zu Zehntausenden Rubel – jeden einzelnen Monat.
Die offizielle Reaktion auf diese Machenschaften ist von tiefem Misstrauen geprägt.
Der Föderale Strafvollzugsdienst, bekannt als FSIN, stellte fest, dass die Zentralbank den Versicherungsmarkt reguliere. Allerdings führe die Aufsichtsbehörde keine spezifische Kategorie für Häftlingsversicherungen. Deshalb warnte der FSIN, dass diese Angebote lediglich betrügerische Machenschaften sein könnten.
Die Anwältin Ekaterina Krasnova erklärte der Izvestia, der Markt floriere, weil die Menschen Angst vor dem Chaos in Gefängnissen hätten. Agenten erzielten enorme Gewinne aus dieser Angst.
Mütter fühlten sich oft gezwungen, alles aufzugeben, was sie besitzen, nur in der Hoffnung, dass ihre Söhne in Sicherheit blieben. Während eine Versicherung gegen Krankheit legal sei, merkte Krasnova an, dass diesen Gruppen oft die teuren Lizenzen fehlten, die für den Betrieb als echte Versicherer erforderlich seien.
Quellen: Digi24, Izvestia