Die Debatte über neue Werkzeuge dreht sich inzwischen auch um Ehrlichkeit. Leser und Studierende fragen, wer KI genutzt hat, wie sie eingesetzt wurde und warum sie darüber nicht informiert wurden.
Die Diskussion über KI im Bildungsbereich verschärfte sich, nachdem eine ranghohe Wissenschaftlerin der Western Sydney University die Technologie bei der Vorbereitung einer Zeitungskolumne über akademische Integrität von Studierenden eingesetzt hatte.
Professorin Cath Ellis, Pro-Vizekanzlerin für Qualität und Integrität der Universität, hatte im Sydney Morning Herald argumentiert, dass Studierende ihr Studium weiterhin ernst nehmen und KI nicht als Abkürzung betrachten sollten.
„Nehmen Sie keine Abkürzungen. Lagern Sie Ihr Denken nicht aus, so verlockend das auch sein mag. Wenn das System tatsächlich so fragil ist, wie manche behaupten, wird echter Einsatz nicht verborgen bleiben. Er wird auffallen“, schrieb sie.
The Guardian berichtet, dass die Kolumne dem KI-Erkennungsdienst Pangram vorgelegt wurde, der sie als KI-generiert einstufte. Die Western Sydney University bestätigte später, dass Ellis Microsoft Copilot verwendet hatte.
Nach Angaben der Universität hatte Ellis das System mit einem umfangreichen Archiv ihrer früheren Texte gespeist. Dieses habe anschließend dabei geholfen, Eingaben und erste Entwürfe auf Grundlage ihrer eigenen Arbeiten zu erstellen.
Ein Sprecher verteidigte die Methode als „eine anspruchsvolle und angemessene Nutzung“ generativer KI.
Redakteure greifen ein
Der Sydney Morning Herald erklärte, er sei nicht darüber informiert worden, dass KI bei der Erstellung des Beitrags eingesetzt worden war, und entfernte ihn umgehend von seiner Website.
„Das ist eindeutig inakzeptabel, und wir untersuchen den Vorgang weiter“, sagte Chefredakteurin Jordan Baker.
Gerade die Diskrepanz zwischen Botschaft und Vorgehensweise machte den Vorfall so problematisch. Eine Kolumne, die Studierende dazu aufforderte, selbst zu denken, wurde stattdessen zu einem Test dafür, wie offen Institutionen ihren eigenen Einsatz von KI kommunizieren.
Die Kontroverse in Australien entstand zu einem Zeitpunkt, als Studierende in den USA bereits optimistische Botschaften über KI infrage stellten.
Die Stimmung richtig einschätzen
In einem separaten Bericht beschreibt The Guardian mehrere Abschlussfeiern, bei denen prominente Redner wegen ihrer Äußerungen über KI ausgebuht wurden.
An der Middle Tennessee State University wurde der Musikmanager Scott Borchetta ausgebuht, nachdem er Absolventinnen und Absolventen davor gewarnt hatte, dass KI kreative Berufe bereits grundlegend verändere. Als Studierende darauf reagierten, blieb er bei seiner Position und sagte: „Finden Sie sich damit ab.“
Auch der frühere Google-Chef Eric Schmidt wurde an der University of Arizona ausgebuht, als er über KI und die Zukunft der Arbeit sprach.
Am Glendale Community College sorgte ein KI-System für Ärger, nachdem es während einer Abschlussfeier die Namen einiger Absolventinnen und Absolventen nicht aufgerufen hatte.
Studierende und Leser lehnen nicht jede Nutzung von KI ab. Sie verlangen jedoch klare Regeln, transparente Offenlegung und weniger Belehrungen von Institutionen, die ihre eigenen Standards erst noch entwickeln.
Quellen: The Guardian; The Sydney Morning Herald