Ein Bundesrichter in Miami hatte die Anwälte angewiesen, die Entscheidung des Präsidenten zu erklären.
Die Aufmerksamkeit im Gerichtssaal hat sich vom Inhalt der aufsehenerregenden Klage Donald Trumps gegen die BBC auf das Verhalten seines eigenen Anwaltsteams verlagert.
Laut Reuters hat ein Bundesrichter in Miami Trumps Anwälte angewiesen, zu erklären, warum sie eine wichtige Einreichungsfrist in der 10-Milliarden-Dollar-Verleumdungsklage des Präsidenten gegen den britischen Sender versäumt haben.
Die versäumte Frist hat nun die Möglichkeit von gerichtlichen Sanktionen aufgeworfen.
Richter fordert Antworten
US-Bezirksrichter Roy Altman erließ am Montag eine Anordnung, nachdem Trumps Anwälte es versäumt hatten, bis Freitag auf den Antrag der BBC, die Klage abzuweisen, zu antworten.
Altman wies das Anwaltsteam an zu erklären, warum es keine Konsequenzen für das, was er als „offensichtliche Missachtung von Gerichtsfristen“ bezeichnete, tragen sollte.
Nach der richterlichen Anordnung gab es keine unmittelbare öffentliche Reaktion von Trumps Anwälten.
Streit dreht sich um bearbeitete Rede
Die Klage resultiert aus einem BBC-Bericht, der einen bearbeiteten Clip einer Rede enthielt, die Trump nach der Präsidentschaftswahl 2020 gehalten hatte.
Trump behauptet, der Sender habe separate Teile seiner Äußerungen so kombiniert, dass fälschlicherweise suggeriert wurde, er habe seine Anhänger ermutigt, nach seiner Wahlniederlage das US-Kapitol zu stürmen.
Die BBC hat zuvor eingeräumt, dass die Bearbeitung einen irreführenden Eindruck erweckte. Der Sender entschuldigte sich für den Beitrag und akzeptierte, dass Zuschauer den Clip als direkten Aufruf zur Gewalt hätten interpretieren können.
Trotz dieser Einräumung hat sich der Rechtsstreit fortgesetzt, wobei Trump 10 Milliarden US-Dollar Schadenersatz fordert.
BBC beantragt Klageabweisung
Gerichtliche Einreichungen der BBC argumentieren, dass der Fall vor Erreichen eines Prozesses abgewiesen werden sollte.
Laut dem Sender habe Trump nicht nachweisen können, dass der Sender wissentlich falsche Informationen veröffentlicht oder mit rücksichtsloser Missachtung der Wahrheit gehandelt habe – eine Schlüsselanforderung im US-Verleumdungsrecht, das öffentliche Personen betrifft.
Die Anwälte der BBC führten dieses Argument in einem Anfang des Jahres eingereichten Schriftsatz an und baten das Gericht, die Klage vollständig abzuweisen.
Rechtsstreit geht weiter
Die jüngste gerichtliche Anordnung befasst sich nicht mit der Begründetheit von Trumps Behauptungen gegen den Sender. Stattdessen konzentriert sie sich ausschließlich auf das Versäumnis seines Anwaltsteams, prozessuale Fristen einzuhalten.
Der Fall steht nun vor zwei unmittelbaren Fragen: ob Trumps Anwälte Strafen für das Versäumen der Einreichungsfrist erhalten werden und ob der Versuch der BBC, die Klage abweisen zu lassen, letztendlich erfolgreich sein wird.
Das Verfahren ist weiterhin vor dem Bundesgericht in Florida anhängig.