Manche Musik kann Stimmung und Aufmerksamkeit während der Fahrt beeinflussen. Forschende sagen, dass Tempo und Energielevel beeinflussen können, wie sich Fahrer auf der Straße verhalten.
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Sie sitzen an einer roten Ampel. Der Refrain setzt ein, der Bass beginnt, und plötzlich wird das Lenkrad zum Schlagzeug. Als die Ampel auf Grün springt, beschleunigt das Auto ein wenig schneller als beabsichtigt.
Szenen wie diese sind auf alltäglichen Fahrten häufig. Musik hilft, die Zeit im Verkehr zu überbrücken, doch Forschungen legen nahe, dass sie auch beeinflussen kann, wie sich Menschen hinter dem Steuer verhalten.
Schnelle Rhythmen und energiegeladene Songs können Fahrer dazu bringen, stärker zu beschleunigen, häufiger die Spur zu wechseln oder für einen Moment abgelenkt zu sein.
Die Wissenschaft des Tempos
Wissenschaftler haben versucht zu verstehen, wie genau Musik das Fahrverhalten beeinflusst. Eine Studie von Forschenden der Deakin University und der Swinburne University of Technology untersuchte dies mithilfe eines Fahrsimulators und analysierte, wie unterschiedliche Musiktempi das Verhalten und die physiologischen Reaktionen von Fahrern beeinflussen.
Die Teilnehmenden absolvierten eine 20-minütige Fahrt auf einer sechsspurigen Autobahn, während sie entweder Rockmusik, ruhigere Musik oder gar keine Musik hörten.
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Ein Muster stach besonders hervor: Das Tempo machte einen deutlichen Unterschied. Fahrer, die schnellen Musikstücken ausgesetzt waren, wechselten während des Tests rund 140-mal die Spur, verglichen mit etwa 70 Spurwechseln, wenn keine Musik lief.
Songs mit mehr als 120 Schlägen pro Minute wurden auch mit höheren Geschwindigkeiten in Verbindung gebracht. Im Durchschnitt fuhren Fahrer, die schnellere Musik hörten, etwa acht Kilometer pro Stunde schneller als üblich. Die Forschenden vermuteten, dass die gesteigerte Energie schneller Musik das Erregungsniveau und die Intensität von Reaktionen erhöhen kann.
Energiegeladene Songs
Bestimmte Songs tauchen häufig in Diskussionen über riskante Autofahr-Playlists auf. Das Finanzunternehmen Moneybarn stellte eine Rangliste von Songs zusammen, die mit unsicheren Fahrgewohnheiten in Verbindung gebracht werden.
Green Days American Idiot, bekannt für sein hohes Tempo, führte die Liste an. Weitere energiegeladene Songs, die in Mediendiskussionen häufig genannt werden, sind Miley Cyrus’ Party in the U.S.A., The Killers’ Mr Brightside und Bruce Springsteens Born to Run.
Viele haben ähnliche Eigenschaften: kraftvolle Rhythmen, laute Gitarren und eingängige Refrains, die Fahrer dazu bringen, mitzusingen oder auf das Lenkrad zu trommeln. Meist harmlos, aber ausreichend, um die Aufmerksamkeit für einen Moment von der Straße abzulenken.
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Selbst eine kurze Ablenkung kann eine Rolle spielen. Ein kurzer Blick weg vom Verkehr oder einige Sekunden, in denen man im Takt eines Refrains mitklopft, können die Reaktionszeit verlängern.
Ein wiederkehrender Witz im Musikjournalismus
Die Idee von „gefährlichen Fahrsongs“ ist auch zu einem vertrauten Thema im Musikjournalismus geworden. Complex veröffentlichte beispielsweise einmal einen augenzwinkernden Beitrag über Songs, die Fahrer dazu verleiten könnten, schneller zu fahren, zu tanzen oder während der Fahrt die Konzentration zu verlieren.
Energiegeladene Hip-Hop- und Rocksongs stehen in solchen Listen oft ganz oben, vor allem wegen der starken Reaktionen, die sie bei Menschen auslösen.
Langsamere Musik scheint dagegen den gegenteiligen Effekt zu haben. Smooth berichtete, dass Led Zeppelins Stairway to Heaven, das etwa 63 Schläge pro Minute hat, in Tests mit gleichmäßigeren Fahrmustern in Verbindung gebracht wurde.
All dies bedeutet nicht, dass Fahrer im Auto Stille brauchen. Dennoch deuten die Ergebnisse auf etwas Einfaches hin: Die Songs aus den Lautsprechern könnten die Fahrt stärker beeinflussen, als vielen bewusst ist.
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Quellen: Smooth, Complex, Shajari et al. (2025) Studie in Neural Computing and Applications, Moneybarn.