Schon eine einzelne, auf 0,8 Promille ausgelegte Alkoholdosis reicht aus, um die Organisation des Gehirns messbar zu verändern.
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Das zeigt eine Untersuchung mit 107 gesunden Erwachsenen im Alter von 21 bis 45 Jahren. Die Teilnehmenden galten als sozial Trinkende ohne Hinweise auf Abhängigkeit.
Aufbau der Untersuchung
Alle Probandinnen und Probanden nahmen an zwei Terminen teil: einmal erhielten sie Alkohol, einmal ein Placebogetränk.
Weder sie selbst noch die Versuchsleitung wussten, welche Variante jeweils verabreicht wurde.
Die Alkoholmenge wurde individuell berechnet, um eine Zielkonzentration von 0,08 Gramm pro Deziliter (0,8 Promille) zu erreichen.
30 Minuten nach dem Konsum wurden die Teilnehmenden in einem funktionellen MRT untersucht.
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Während dieser Ruhe-Messung lagen sie ohne Aufgabe im Scanner. Erfasst wurden Veränderungen der Hirndurchblutung, die als indirektes Maß für die funktionelle Vernetzung zwischen 106 definierten Hirnregionen dienen.
Verschobenes Gleichgewicht im Netzwerk
Die Auswertung zeigte deutliche Unterschiede zwischen Alkohol- und Placebo-Bedingung.
Vor allem im hinteren Hirnbereich nahm die Verbindung zum übrigen Netzwerk ab.
Regionen, die unter anderem an der Verarbeitung visueller Eindrücke beteiligt sind, waren weniger stark eingebunden.
Im Stirn- und Schläfenbereich zeigte sich dagegen eine stärkere lokale Zusammenarbeit benachbarter Areale.
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Insgesamt verschob sich damit das Verhältnis zwischen großräumiger Kommunikation im gesamten Gehirn und enger Vernetzung einzelner Regionen.
Zusammenhang mit dem Rauschgefühl
Zusätzlich bewerteten die Teilnehmenden ihr Empfinden auf einer Skala von „gar nicht betrunken“ bis „sehr stark betrunken“.
Unter Alkohol lag der Durchschnittswert bei etwa 34 Punkten, unter Placebo bei rund 8 Punkten.
Die gemessenen Netzwerkveränderungen standen im Zusammenhang mit diesem subjektiven Rauschgefühl.
Aussagekraft und Grenzen
Die Studie untersuchte ausschließlich gesunde Erwachsene und nur einen Zeitpunkt – 30 Minuten nach dem Trinken. Langfristige Effekte oder andere Altersgruppen wurden nicht betrachtet.
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Dennoch zeigt die Untersuchung: Bereits kurze Zeit nach dem Konsum verändert Alkohol das Zusammenspiel des gesamten Gehirns messbar.
Quelle: FITBOOK