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Stimmen in Gefahr? Synchronsprecher wehren sich gegen KI-Klauseln

Netflix
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Neue KI-Regeln bei Netflix haben einen Konflikt mit deutschen Synchronsprechern ausgelöst.

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Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz rückt in der Unterhaltungsindustrie immer stärker in den Vordergrund. Was als technischer Fortschritt gilt, löst in Deutschland nun einen offenen Konflikt aus. Im Mittelpunkt steht die Frage, wem Stimmen künftig gehören.

Ausgelöst wurde die Debatte durch neue Vertragsbedingungen eines globalen Streaminganbieters. Wie ZDFheute berichtet, lehnen zahlreiche deutsche Synchronsprecher diese ab und verweigern die Zusammenarbeit.

Verträge unter Druck

Kern des Streits sind neue Klauseln von Netflix. Sie sehen vor, dass Sprachaufnahmen künftig auch zum Training von KI-Systemen genutzt werden können. Nach Angaben aus der Branche betrifft das mehrere Tausend Sprecherinnen und Sprecher.

Patrick Winczewski, bekannt als deutsche Stimme internationaler Filmstars, sagte im Interview mit ZDFheute live, es gehe um grundlegende Urheber- und Persönlichkeitsrechte. Die Branche sehe sich mit der Wahl konfrontiert, neuen Bedingungen zuzustimmen oder Aufträge zu verlieren.

„Wir wollen dafür erstens vergütet werden und zweitens überhaupt die Wahl haben, ob wir das machen wollen oder nicht.“

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Stimmen als Kulturgut

Der Konflikt hat in Deutschland besondere Brisanz. Anders als in vielen anderen Ländern ist Synchronisation hier fest etabliert. Viele Zuschauer verbinden internationale Schauspieler seit Jahrzehnten mit festen deutschen Stimmen.

Diese Tradition sei historisch gewachsen und Teil der Filmkultur, erklärte Winczewski gegenüber ZDFheute. Viele Sprecher äußern die Befürchtung, dass KI-basierte Lösungen diese gewachsene Beziehung zwischen Publikum und Film schwächen könnten.

Technisch erzeugte Stimmen klängen bislang oft gleichförmig. Der emotionale Ausdruck, der im Studio entstehe, lasse sich nur schwer automatisieren, so die Einschätzung aus der Branche.

KI und Kreativarbeit

Der Streit reiht sich in eine breitere Debatte ein. In vielen kreativen Berufen wird derzeit diskutiert, wie KI eingesetzt werden darf und wo Grenzen nötig sind. Streamingdienste gelten dabei als Taktgeber für neue Produktionsmodelle.

Winczewski betonte, es gehe nicht um eine grundsätzliche Ablehnung der Technologie. „Es ist ganz wichtig zu wissen, dass wir hier kein KI-Bashing betreiben. Das ist Quatsch!“ Ziel sei eine faire Partnerschaft mit klaren Regeln für Lizenzen und Nutzung.

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Signalwirkung für die Branche

Der Konflikt macht deutlich, dass der Einsatz von KI in der Synchronisation nicht allein eine technische Frage ist. Im Mittelpunkt stehen vielmehr wirtschaftliche Interessen sowie offene urheber- und persönlichkeitsrechtliche Fragen.

Wie diese geklärt werden, dürfte entscheidend für den weiteren Umgang mit KI in der Branche sein.

Quelle: ZDFheute