Die wirtschaftliche Entwicklung in Russland verliert an Tempo.
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Vier Jahre Krieg haben die wirtschaftlichen Unterschiede innerhalb Russlands deutlich verschärft.
Während Moskau weiter investiert und der Rüstungssektor ausgelastet ist, geraten andere Teile Russlands zunehmend unter Druck.
Zentrum gegen Peripherie
Wie der finnische öffentlich‑rechtliche Sender Yle unter Berufung auf eine Analyse des Peterson Institute for International Economics berichtet, entfiel 2022 rund ein Viertel des russischen Bruttoinlandsprodukts auf Moskau und St. Petersburg. Gemeinsam mit rohstoffreichen Förderregionen wie Jamal-Nenzen tragen diese Gebiete demnach 40 bis 50 Prozent zu den föderalen Steuereinnahmen bei.
Zwei Drittel der Exporterlöse stammen weiterhin aus Öl und Gas. Diese Einnahmen sichern vor allem dünn besiedelten Förderregionen Stabilität.
Anders sieht es in Regionen ohne Energie- oder Rüstungsbasis aus. In der Republik Karelien etwa fehlen sowohl bedeutende Rohstoffvorkommen als auch militärindustrielle Großbetriebe.
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Einseitiges Modell
Das derzeitige Wirtschaftsmodell stützt sich stark auf staatliche Aufträge. Wie The Moscow Times berichtet, waren die Wachstumsraten von über vier Prozent in den Jahren 2023 und 2024 maßgeblich durch steigende Staatsausgaben getragen.
Dieser Effekt lässt nach. Für 2025 rechnet der Internationale Währungsfonds (IWF) mit 0,6 Prozent Wachstum, für 2026 mit 0,8 Prozent, wie The Moscow Times in einem weiteren Beitrag berichtet.
Mit Leitzinsen um 16 Prozent versucht die Zentralbank, Preissteigerungen einzudämmen.
Haushalt im Umbau
Sinkende Energieerlöse schränken den finanziellen Spielraum ein. Die Staatseinnahmen blieben 2025 hinter den ursprünglichen Erwartungen zurück, schreibt The Moscow Times.
Als Reaktion erhöht die Regierung die Mehrwertsteuer von 20 auf 22 Prozent und weitet die Steuerpflicht auf kleinere Unternehmen aus. Zusätzliche Abgaben auf Elektronikprodukte sind geplant.
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Damit verschiebt sich die Finanzierung des Haushalts stärker auf Binnenwirtschaft und Konsum.
Krieg als Konstante
Die Verteidigungsausgaben bleiben auf hohem Niveau. Für 2026 sind laut The Moscow Times offiziell 12,93 Billionen Rubel (rund 141,6 Milliarden Euro) vorgesehen.
Verteidigungsminister Andrei Belousov bezifferte die Militärausgaben 2025 auf 7,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
Solange dieser Schwerpunkt bestehen bleibt, dürfte die wirtschaftliche Dynamik auf wenige Sektoren konzentriert bleiben – mit wachsenden Unterschieden zwischen Gewinnern und Verlierern.
Quellen: The Moscow Times, Yle