Das Verhältnis zwischen Deutschland und China ist vielschichtig.
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Zum Abschluss seiner am Mittwoch begonnenen und am Donnerstag beendeten Reise in die Volksrepublik China hat Bundeskanzler Friedrich Merz wirtschaftliche Zusammenarbeit und politische Differenzen betont.
Während in Peking symbolträchtige Bilder entstanden, standen in Hangzhou vor allem Industrie, Technologie und Handelsfragen im Mittelpunkt.
Symbolik und Diplomatie
Wie die Tagesschau berichtet, nutzte Merz seinen Aufenthalt in Peking auch für einen Besuch der Verbotenen Stadt. Der frühere Kaiserpalast, heute UNESCO-Welterbe, diente mehr als fünf Jahrhunderte als Machtzentrum chinesischer Herrscher.
Im Gästebuch wünschte der Kanzler Deutschland und China Tempo, Kraft und Energie für „ein Jahr der Zusammenarbeit und des Wachstums“. Er zitierte aus Friedrich Schillers „Sprüche des Konfuzius“: „Dreifach ist der Schritt der Zeit / Zögernd kommt die Zukunft hergezogen / Pfeilschnell ist das Jetzt entflogen / Ewig still steht die Vergangenheit.“
Bereits zuvor hatte Merz in Peking Gespräche mit Ministerpräsident Li Qiang und Staatspräsident Xi Jinping geführt. Nach Angaben der Tagesschau bekräftigten beide Seiten dabei ihren Willen, die Beziehungen trotz bestehender Spannungen auszubauen.
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Wie der Deutschlandfunk berichtet, erklärte Xi, er sei bereit, die strategische Partnerschaft mit Deutschland auf ein neues Niveau zu heben.
Wirtschaftliche Interessen
Ein zentrales Thema der Reise war der Handel. Laut dem Deutschlandfunk kündigte Merz nach seinem Treffen mit Xi einen chinesischen Großauftrag für Airbus über bis zu 120 Flugzeuge an. Zudem wurden deutsch-chinesische Regierungskonsultationen bis spätestens Anfang 2027 vereinbart.
Gleichzeitig verwies der Kanzler auf strukturelle Probleme im Wirtschaftsverhältnis. Wie der Deutschlandfunk berichtet, kritisierte Merz in Hangzhou die chinesischen Überkapazitäten. Die Überproduktion führe zu einer Schwemme günstiger Waren in Europa.
Neben Handelsfragen sprach Merz auch sicherheitspolitische Themen an.
„Ich hoffe, dass ich in meinen Gesprächen ein bisschen Verständnis dafür wecken konnte, dass die chinesische Staatsführung auch einen Beitrag dazu leisten sollte, den Krieg in der Ukraine zu beenden“, sagte Merz laut dem Deutschlandfunk. Auch Taiwan und die Gefahr einer militärischen Zuspitzung seien zur Sprache gekommen.
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Technologie und Abhängigkeit
Den wirtschaftlichen Austausch inszenierte Merz auch mit Unternehmensbesuchen. In Hangzhou, das als Innovationsstandort gilt, informierte er sich nach Angaben der Tagesschau und des Deutschlandfunks unter anderem bei Siemens Energy sowie beim Robotikunternehmen Unitree Robotics. Dort führten KI-gestützte Maschinen ihm einen Boxkampf vor.
Begleitet wurde der Kanzler von einer Wirtschaftsdelegation mit Spitzenvertretern großer deutscher Konzerne.
Experten sehen die Reise als Gratwanderung. Der China-Experte Michael Laha von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik sprach im Deutschlandfunk von einem „schwierigen Balanceakt“ zwischen enger Kooperation und dem Abbau strategischer Abhängigkeiten.
Auch CDU-Außenpolitiker Röttgen forderte im Deutschlandfunk mehr De-Risking. Der Ökonom Jürgen Matthes plädierte laut dem Deutschlandfunk im Sender ntv für Ausgleichszölle von 40 bis 50 Prozent, um Wettbewerbsverzerrungen zu begegnen.
Balance der Interessen
Unabhängig von einzelnen Deals oder diplomatischen Gesten macht die Reise deutlich, wie komplex das Verhältnis beider Länder ist. Deutschland sucht Absatzmärkte und Investitionen, will zugleich aber politische Risiken begrenzen und strategische Verwundbarkeiten reduzieren.
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Die kommenden Monate dürften zeigen, ob sich dieser Spagat in konkrete politische Schritte übersetzen lässt – oder ob wirtschaftliche Interessen und geopolitische Spannungen weiter auseinanderdriften.
Quellen: Deutschlandfunk, Tagesschau