Startseite Krieg „Radioaktive Partikel kennen keine Grenzen“: Experten warnen vor Tschernobyl-Katastrophe

„Radioaktive Partikel kennen keine Grenzen“: Experten warnen vor Tschernobyl-Katastrophe

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Schager / Shutterstock.com

Jahrzehnte nach der schlimmsten Nuklearkatastrophe der Welt wachsen die Bedenken hinsichtlich der Sicherheit in Tschernobyl erneut.

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Schäden an den Schutzstrukturen haben Warnungen vor potenziellen Umweltrisiken ausgelöst.

Experten zufolge könnte sich die bereits fragile Lage unter anhaltendem militärischem Druck verschärfen.

Wachsende Besorgnis

Laut einem von Digi24 zitierten Greenpeace-Bericht könnte das Schutzsystem, das Reaktor Nr. 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl bedeckt, nicht mehr wie vorgesehen funktionieren.

Der Reaktor, der 1986 explodierte, ist unter mehreren Schutzschichten versiegelt, darunter ein ursprünglicher Sarkophag und eine neuere Stahlhülle, die 2016 installiert wurde.

Diese äußere Schutzhülle wurde jedoch 2025 beschädigt, nachdem sie von einer russischen Drohne getroffen wurde, so die ukrainischen Behörden.

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Einsturzgefahr

Trotz laufender Reparaturen warnt Greenpeace, dass das System nicht vollständig wiederhergestellt wurde.

„Dies erhöht das Risiko radioaktiver Lecks in die Umwelt, insbesondere im Falle eines Einsturzes“ der inneren Struktur, so die Organisation.

Die Gruppe warnt, dass ein unkontrolliertes Versagen der inneren Hülle gefährliche Materialien freisetzen könnte.

„Es wäre katastrophal“

Der Nuklearexperte von Greenpeace, Shaun Burnie, beschrieb die potenziellen Folgen in drastischen Worten.

„Es wäre katastrophal, da sich im Sarkophag 4 Tonnen hochradioaktiver Staub, Brennstoffpellets und enorme Mengen radioaktiver Partikel befinden“, sagte er.

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„Da der neue Schutzschild derzeit nicht repariert werden kann und nicht wie vorgesehen funktioniert, besteht die Gefahr radioaktiver Lecks“, fügte Burnie hinzu.

Verzögerte Reparaturen

Experten sagen, dass die Stabilisierung der Struktur den Abbau instabiler Elemente innerhalb der beschädigten Hülle erfordern würde.

Solche Arbeiten wurden jedoch durch den anhaltenden Krieg in der Ukraine verlangsamt.

„Russische Raketen werden immer noch über Tschernobyl abgefeuert“, warnte Burnie.

Er fügte hinzu: „40 Jahre nach (der Tschernobyl-Katastrophe) führt Russland weiterhin einen echten Atomkrieg gegen die Völker der Ukraine und Europas.“

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Anhaltende Gefahr

Auch Kraftwerksdirektor Serhij Tarakanow hob die Risiken hervor und bezeichnete die Situation als extrem „gefährlich“.

„Wenn eine Rakete fällt, nicht nur innerhalb der Schutzstruktur, sondern sogar 200 Meter entfernt, wird dies einen externen Aufprall verursachen, der dem eines Erdbebens ähnelt“, sagte er.

„Und was uns der Unfall von 1986 gezeigt hat, (…) ist, dass radioaktive Partikel keine Grenzen kennen“, fügte er hinzu.

Kostspielige Wiederherstellung

Die Bemühungen zur Wiederherstellung des beschädigten Eindämmungssystems werden voraussichtlich kostspielig sein.

Der französische Außenminister Jean-Noël Barrot sagte, die Kosten könnten „ungefähr 500 Millionen Euro“ erreichen.

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Angesichts verzögerter Reparaturen und steigender Risiken bleibt die Situation in Tschernobyl sowohl für die Ukraine als auch für die gesamte Region ein wachsendes Problem.

Quellen: Digi24, Greenpeace