Das Vereinigte Königreich testet Pläne, kostenlosen oder vergünstigten Strom bei überschüssiger Windenergie anzubieten, um die jährlich entstehenden Milliardenverluste durch Netzengpässe zu reduzieren.
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Europa erzeugt mehr erneuerbare Energie, als es nutzen kann — doch ein großer Teil davon geht verloren.
Nun testet ein Land einen anderen Ansatz: überschüssigen Strom zu verschenken, statt die Produktion zu drosseln.
Laut Euronews prüft das Vereinigte Königreich Pläne, Haushalten während Phasen hoher Windstromerzeugung kostenlosen oder vergünstigten Strom anzubieten. Ziel ist es, die Notwendigkeit zu reduzieren, Windkraftanlagen abzuschalten, wenn das Stromnetz überschüssige Energie nicht aufnehmen kann.
Das Problem liegt in veralteter Infrastruktur. Europas Stromnetz, ursprünglich für Kohle und Gas ausgelegt, hat Schwierigkeiten, Energie aus abgelegenen Windparks zu verteilen.
Infolgedessen wird jedes Jahr eine große Menge erneuerbarer Energie abgeregelt.
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Milliardenverluste
Das Ausmaß der Verschwendung ist erheblich. Euronews berichtet, dass allein das Vereinigte Königreich im Jahr 2025 rund 1,47 Milliarden Pfund verlor, indem Windkraftanlagen abgeschaltet und stattdessen alternative Energiequellen genutzt wurden.
Deutschland zahlte zudem 435 Millionen Euro an Entschädigungen für ungenutzte erneuerbare Energie, was die gesamteuropäische Problematik unterstreicht.
Auf dem gesamten Kontinent ist das Ausmaß der Abregelung gestiegen, insbesondere in Ländern wie Spanien und Frankreich, da Engpässe im Stromnetz bestehen bleiben.
Eine Studie von Aurora Energy Research ergab, dass im Jahr 2024 rund 72 Terawattstunden Strom — etwa dem jährlichen Verbrauch Österreichs entsprechend — abgeregelt wurden.
Engpässe im Stromnetz
Experten zufolge liegt das Kernproblem in der Diskrepanz zwischen Erzeugungsorten und Verbrauchsorten.
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„Wenn die Windgeschwindigkeiten zu hoch sind, wird das Stromnetz oft mit mehr grüner Energie versorgt, als tatsächlich benötigt wird“, erklärte das britische Unternehmen Octopus Energy.
Das Unternehmen fügte hinzu, dass begrenzte Netzkapazitäten zu Überlastungen führen, wodurch Betreiber gezwungen sind, Turbinen abzuschalten, während andernorts weiterhin fossile Brennstoffe eingesetzt werden.
Eine Modernisierung der Infrastruktur könnte das Problem lösen, würde jedoch erhebliche Investitionen und Zeit erfordern.
Plan für kostenlosen Strom
Der Vorschlag der britischen Regierung richtet sich an Regionen, die besonders stark von Netzengpässen betroffen sind, darunter Teile Schottlands und Ostenglands.
„Manchmal gibt es zu viel Wind für unser veraltetes Stromnetz“, erklärte das Department for Energy Security and Net Zero auf X.
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„Anstatt Windparks für das Abschalten zu bezahlen, testen wir ein neues System, bei dem Menschen in diesen betroffenen Gebieten günstigeren — oder sogar kostenlosen — Strom erhalten.“
Forderungen nach Reformen
Branchenvertreter argumentieren, dass kurzfristige Maßnahmen nicht ausreichen.
Greg Jackson, CEO von Octopus Energy, sagte, langfristige Veränderungen würden Investitionen in Technologien wie Elektrofahrzeuge und Batteriespeicher besser fördern.
„Dauerhafte Änderungen würden bedeuten, dass man ein Elektroauto, eine Wärmepumpe oder Batterien kaufen kann, um Strom zu nutzen, wenn er günstig ist — oder ein Rechenzentrum bauen kann“, sagte er.
Er warnte, dass kurzfristige Maßnahmen ohne strukturelle Reformen nur begrenzte Wirkung haben könnten.
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Quellen: Euronews, Aurora Energy Research