Putin hat sein Image lange auf Stärke und Kontrolle aufgebaut, mit wenig Toleranz für abweichende Meinungen.
Im dieses Image zu wahren, wurde mit Kreml-Kritikern oft schnell verfahren.
Nun deuten neue Behauptungen darauf hin, dass dieses Vorgehen noch weiter gegangen sein könnte.
Versteckte Anweisung
Die Menschenrechtsgruppe Pervyi Otdel, zitiert von Radio Liberty und Ukrainska Pravda, gibt an, eine zuvor unveröffentlichte Richtlinie identifiziert zu haben, die von Wladimir Putin im März 2022 unterzeichnet wurde.
Laut der Gruppe erlaubte das Dokument den Behörden, Personen, die sich dem Krieg widersetzen, festzuhalten, ohne ein Strafverfahren einzuleiten oder eine gerichtliche Anordnung einzuholen.
Die Behauptung basiert auf Materialien, die mit dem russischen Ermittlungskomitee in Verbindung stehen und die Entscheidung bei der Beantwortung einer Beschwerde referenzierten.
Haftbefugnisse
Die gemeldete Anordnung soll angeblich mehrere Behörden, darunter den FSB, das Innenministerium und Militärermittler, ermächtigt haben, Personen in Untersuchungshaftanstalten unterzubringen.
Die Zielpersonen wurden als Menschen beschrieben, die sich dem widersetzen, was die russischen Behörden als „spezielle Militäroperation“ in der Ukraine bezeichnen.
In einem von Pervyi Otdel zitierten Fall wurde ein russischer Bürger allein aufgrund der präsidialen Entscheidung in einem Haftzentrum festgehalten.
Rechtliche Bedenken
Das Ermittlungskomitee wies einen Einspruch gegen die Haft zurück und berief sich dabei sowohl auf die präsidiale Richtlinie als auch auf eine „temporäre Anweisung“ zur Regelung der Haftverfahren.
Pervyi Otdel erklärte, dass keines der Dokumente veröffentlicht wurde und der genaue rechtliche Status der Entscheidung unklar bleibt.
Die Gruppe argumentiert, dass solche Festnahmen gegen Artikel 22 der russischen Verfassung verstoßen würden, der besagt, dass ein Freiheitsentzug eine gerichtliche Anordnung erfordert.
Radio Liberty berichtet, dass ähnliche Praktiken seit Beginn des Krieges dokumentiert wurden, insbesondere bei ukrainischen Kriegsgefangenen und Zivilisten, die ohne Anklage oder Zugang zu Anwälten festgehalten wurden.
Quellen: Pervyi Otdel, Radio Liberty, Ukrainska Pravda