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Das „Tor zur Hölle“ der Erde wächst — und Wissenschaftler sehen darin ein Warnsignal

Das „Tor zur Hölle“ der Erde wächst — und Wissenschaftler sehen darin ein Warnsignal
By NASA Earth Observatory images by Jesse Allen, using Landsat data from the U.S. Geological Survey. - https://earthobservatory.nasa.gov/IOTD/view.php?id=90104&src=eoa-iotd, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=58528114

Der Batagay-Megaslump in Sibirien — oft als „Tor zur Hölle“ bezeichnet — wächst rasant, da der Permafrost taut, uralte Bodenschichten freilegt und Treibhausgase in einer sich verstärkenden Klimarückkopplung freisetzt.

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Tief in der sibirischen Tundra breitet sich eine gewaltige Narbe in der Landschaft aus, die von Jahr zu Jahr größer wird — und der Grund dafür hat wenig mit Mythen zu tun.

Lokal als „Tor zur Hölle“ bekannt, ist der Batagay-Megaslump eines der eindrucksvollsten sichtbaren Beispiele für das Auftauen von Permafrost auf der Erde. Was als kleiner Einbruch begann, hat sich zu einer riesigen, sich ständig ausdehnenden Schlucht entwickelt, die Bodenschichten freilegt, die seit Zehntausenden von Jahren gefroren waren.

Wissenschaftler sagen, dass seine rasche Ausdehnung eng mit steigenden Temperaturen zusammenhängt.

Ein Einsturz ohne Ende

Trotz seines Namens ist die Batagay-Formation kein Krater.

Es handelt sich um das, was Wissenschaftler als retrogressiven Auftaurutsch bezeichnen — eine Form des Zusammenbruchs, die auftritt, wenn eisreicher Permafrost taut und der darüberliegende Boden absackt und abrutscht. Mit weiterem Auftauen verstärkt sich der Prozess selbst und lässt die Öffnung zunehmend wachsen.

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Laut Studien, unter anderem von der NASA, ist Batagay mittlerweile die größte bekannte Formation dieser Art weltweit.

In einigen Bereichen erstreckt sich der Einsturz über mehr als einen Kilometer und wächst mit jedem Sommer weiter.

Klimawandel beschleunigt den Prozess

Die Ausdehnung von Batagay steht in direktem Zusammenhang mit der Erwärmung in der Arktis.

Permafrost — Boden, der mindestens zwei aufeinanderfolgende Jahre gefroren bleibt — reagiert äußerst empfindlich auf Temperaturveränderungen. Steigende Lufttemperaturen führen dazu, dass das Eis im Boden schmilzt und das Gelände destabilisiert.

Forschende, unter anderem vom Alfred-Wegener-Institut, haben festgestellt, dass sich die Arktis deutlich schneller erwärmt als der globale Durchschnitt, was den Abbau von Permafrost beschleunigt.

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In Batagay führt dies zu häufigeren Einstürzen, Erdrutschen und einem stetigen Rückzug der umliegenden Landschaft.

Ein Fenster in die Vergangenheit

Obwohl das Gebiet geologisch instabil ist, besitzt es großen wissenschaftlichen Wert.

Wenn der Boden einbricht, werden uralte Schichten aus Erde, Pflanzenmaterial und sogar Tierüberresten freigelegt, die über Tausende von Jahren im Permafrost konserviert wurden.

Wissenschaftler nutzen den Ort, um vergangene Klimabedingungen, Ökosysteme und sogar prähistorische DNA zu untersuchen. In diesem Sinne ist das „Tor zur Hölle“ auch ein Fenster in die Umweltgeschichte der Erde.

Doch dieser Zugang hat seinen Preis.

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Eine Rückkopplung unter der Oberfläche

Eine der größten Sorgen betrifft die Folgen des Auftauens von Permafrost.

Gefrorener Boden speichert enorme Mengen organischen Materials. Beim Auftauen beginnen Mikroorganismen, dieses Material zu zersetzen, wodurch Treibhausgase wie Kohlendioxid und Methan freigesetzt werden.

Laut Forschungen des National Snow and Ice Data Center und anderer Institute enthält Permafrost mehr Kohlenstoff als derzeit in der Atmosphäre vorhanden ist.

Wenn sich Formationen wie Batagay ausdehnen, verstärken sie eine Rückkopplungsschleife: Erwärmung führt zu Auftauen, dieses setzt Treibhausgase frei, die wiederum die Erwärmung weiter antreiben.

Ein sichtbares Zeichen für einen größeren Wandel

Batagay ist kein Einzelfall.

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Ähnliche, kleinere Auftaurutschungen treten in der gesamten Arktis auf, von Alaska bis Kanada. Doch Größe und Wachstumsgeschwindigkeit dieser Formation machen sie zu einem der deutlichsten sichtbaren Hinweise darauf, wie schnell sich die Landschaft verändert.

Was einst dauerhaft gefroren war, wird instabil — und bricht an manchen Orten vollständig zusammen.

Der Name „Tor zur Hölle“ mag dramatisch sein, doch der zugrunde liegende Prozess basiert auf Physik, Klima und Zeit — und er ist noch lange nicht abgeschlossen.

Quellen: Popular Science, NASA, Alfred-Wegener-Institut, National Snow and Ice Data Center

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