Sterben und Abschied sind Teil jedes Lebens.
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Deutschlands Gesellschaft altert, immer mehr Menschen leben allein, und technologische Visionen vom ewigen Leben gewinnen Anhänger. Gleichzeitig wächst das Bedürfnis, offener über das Lebensende zu sprechen.
In einem Interview mit Focus Online spricht der Sozial- und Kulturhistoriker Norbert Fischer über den Umgang mit Endlichkeit und plädiert für einen bewussten Blick auf das Lebensende.
Zwischen Ewigkeit und Grenze
Während einige auf Kryonik und medizinische Zukunftsversprechen setzen, sieht Fischer solche Vorstellungen kritisch. Er stellt die Frage, welchen Sinn ein Leben über Jahrhunderte hinweg haben könne.
Statt auf Unsterblichkeit zu hoffen, gehe es darum, die Begrenztheit anzunehmen. „Der Tod zeigt uns, wie wichtig es ist, das Leben sinnvoll zu gestalten“, sagt er.
Für Fischer ist nicht die Verlängerung entscheidend, sondern die Frage, wie man die vorhandene Zeit nutzt – und mit wem.
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Gesellschaft im Umbruch
Parallel dazu beobachtet der Wissenschaftler einen kulturellen Wandel. Religiöse Deutungsmuster, die früher klare Antworten auf Fragen nach Himmel, Erlösung oder Sinn gaben, hätten an Selbstverständlichkeit verloren.
Diese Entwicklung führe bei manchen Menschen zu Unsicherheit. Zugleich entstehe Raum für neue Formen der Auseinandersetzung mit Sterben, Trauer und Erinnerung.
An Universitäten und in der Öffentlichkeit werde das Thema heute offener diskutiert als noch vor wenigen Jahrzehnten, berichtet Focus Online unter Berufung auf Fischer.
Würde am Lebensende
Praktisch sichtbar werde der Wandel im Gesundheitswesen. Mit der Hospizbewegung seit den 1980er Jahren habe sich eine Kultur der Begleitung entwickelt, die Sterbenden mehr Würde ermöglichen soll.
Fischer verweist im Interview darauf, dass der Umgang mit Verstorbenen früher oft deutlich nüchterner gewesen sei. Seine eigenen Erfahrungen als junger Krankenpfleger in den 1970er Jahren hätten ihn nachhaltig geprägt.
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Heute gebe es spezialisierte Angebote und mehr Sensibilität für die Bedürfnisse Sterbender und ihrer Angehörigen.
Einsamkeit vermeiden
Ein zentrales Risiko bleibe dennoch die soziale Isolation. Immer wieder würden Menschen erst spät tot in ihren Wohnungen entdeckt.
„Ich würde nicht von Angst sprechen. Eher von Respekt“, sagt Fischer mit Blick auf den Tod. Entscheidend sei, Gespräche zu führen und Beziehungen zu pflegen.
Sich der eigenen Endlichkeit bewusst zu sein, könne helfen, Prioritäten zu setzen – im Alltag ebenso wie in grundlegenden Lebensentscheidungen.
Quelle: Focus Online