Peking stützt seinen Nachbarn, da die finanziellen Vorteile und der geopolitische Einfluss schlichtweg unbestreitbar sind.
Manchmal wirkt eine Freundschaft von außen ausgewogen. Doch hinter verschlossenen Türen wird schnell deutlich, wer die Macht innehat.
Eine bedeutende internationale Allianz entwickelt sich nun stillschweigend zu einem einseitigen Überlebenskampf.
Eine Verschiebung der Machtverhältnisse
Vor 2022 hielt Moskau seine Handelsoptionen offen. Europa kaufte sein Gas, und ausländisches Kapital floss ungehindert in die russischen Märkte.
Heute sieht dieses Bild völlig anders aus. Russland hat seine westlichen Abnehmer verloren, was das Land isoliert und auf der Suche nach Ersatzteilen zurücklässt.
Peking sprang ein, um die Lücke zu füllen. Dennoch fließt chinesisches Geld laut United24Media nicht tatsächlich über die Grenze.
Ein aktueller Bericht der Vereinten Nationen ergab, dass Russland vor 2020 etwa 1 % der chinesischen ausländischen Direktinvestitionen ausmachte. Diese Zahl sank zwischen 2021 und 2023 auf 0,3 %.
Einkauf zum Schnäppchenpreis
Anstatt langfristiges Kapital zu investieren, zieht es China vor, einfach zu kaufen und zu verkaufen. Diese wirtschaftliche Dynamik begünstigt Peking stark.
Laut dem Carnegie Russia Eurasia Center machten russische Waren 2023 etwas mehr als 5 % der chinesischen Importe aus. Das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsstudien berichtete, dass Russland 2024 nur etwa 4 % des gesamten chinesischen Außenhandels ausmachte.
Für Moskau ist die Situation zu einer absoluten Abhängigkeit geworden, da China nun etwa 30 % aller russischen Exporte abnimmt.
Im Gegenzug erhält Peking stark vergünstigtes Öl. Zudem stärkt es die globale Stellung des chinesischen Yuan, den Russland routinemäßig zur Begleichung ausländischer Rechnungen verwendet.
Die Zukunft als Petro-Staat
Alexander Gabuev vom Carnegie Center machte kürzlich auf die tiefen ideologischen Risse aufmerksam, die sich zwischen den beiden Hauptstädten bilden.
„Sowohl Peking als auch Moskau fehlt eine kohärente, operative Vision für eine ‚ideale‘ Weltordnung“, sagte Gabuev.
Experten warnen, dass diese ungleiche Bindung die russische Wirtschaft letztendlich aushöhlen wird. Die Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) sprach eine deutliche Warnung vor dieser Entwicklung aus.
„Diese Art der Zusammenarbeit mit China würde Russland eher zu einem echten Petro-Staat machen, während die russische Fertigungsindustrie erodieren würde“, erklärte das Institut.
Die Kosten erhöhen
Peking stützt seinen Nachbarn, da die finanziellen Vorteile und der geopolitische Einfluss schlichtweg unbestreitbar sind. Sie erhalten billige Ressourcen zu einem Bruchteil der Marktpreise.
Doch westliche Regierungen könnten immer noch ein praktisches Instrument besitzen, um diesen Kreislauf zu durchbrechen. Eine Ausweitung der Sekundärsanktionen könnte diese Vorteile schnell zunichtemachen.
Das Institut der Europäischen Union für Sicherheitsstudien skizzierte genau diese Schwachstelle.
„China hat ein starkes geopolitisches und ideologisches Interesse daran, Russland zu unterstützen. Doch eine Erhöhung des Preises für Peking könnte dazu führen, dass es seine Unterstützung reduziert“, merkte das Institut an.
Quellen: Vereinte Nationen, Carnegie Russia Eurasia Center, Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsstudien, United24media.