Kinder verbringen ihre Zeit normalerweise mit Spielzeug, Videospielen oder Schularbeiten, nicht mit Drohnen und Granaten.
Doch in Russland scheint sich die Grenze zwischen Kindheit und militärischer Ausbildung zu verschieben.
Neue Initiativen deuten darauf hin, dass kriegsähnliche Aktivitäten für einige Schülerinnen und Schüler zum Alltag werden.
Kampfspiele
Schülerinnen und Schüler in St. Petersburg nehmen an „Sturmtruppler“-Wettbewerben im Rahmen der landesweiten militärisch-patriotischen Spiele „Zarnitsa 2.0“ teil, wie The Moscow Times unter Berufung auf United24media berichtet.
Die Initiative wird von der vom Kreml unterstützten Jugendgruppe „Bewegung der Ersten“ organisiert und umfasst Schülerinnen und Schüler von der Mittelstufe bis zu technischen Hochschulen.
Die Teilnehmenden werden in 10-köpfige Teams eingeteilt, die reale Kampfeinheiten nachbilden sollen.
Zugewiesene Rollen
Jedes Kind erhält eine spezifische militärische Funktion, darunter Kommandant, Sanitäter, Drohnenbediener und „Sturmtruppler“.
Die als Sturmtruppler eingeteilten Personen arbeiten paarweise, bekämpfen Ziele und werfen Granaten unter Zeitvorgabe.
Die Teams werden auch nach Aufgaben wie dem Bau von Unterständen, der Koordination von Nachschub und der Bewegung als Einheit während simulierter Kämpfe bewertet.
Propagandaelement
Die Spiele beinhalten eine Medienkomponente, bei der designierte „Militärkorrespondenten“ regierungsfreundliche Inhalte auf Telegram veröffentlichen.
Laut The Moscow Times können Teams zusätzliche Punkte basierend auf Interaktion verdienen, einschließlich Likes, Reposts und der Verwendung von Memes.
Dieses Element verbindet die Übungen nicht nur mit der Kampfsimulation, sondern auch mit der Informationskriegsführung.
Wachsende Militarisierung
Beobachter sagen, die Initiative spiegele einen breiteren Trend in der russischen Bildung wider, der seit der umfassenden Invasion der Ukraine im Jahr 2022 zu beobachten ist.
Schülerinnen und Schüler müssen nun ein überarbeitetes Fach mit dem Titel „Grundlagen der Sicherheit und Verteidigung des Vaterlandes“ belegen.
Schulen wurden zudem angewiesen, Einrichtungen wie Schießstände, Waffensimulatoren und Trainingsausrüstung für chemische und radiologische Szenarien zu installieren.
Zukünftiger Fokus
Der Vorstoß erstreckt sich auf fortschrittliche Technologie, wobei Drohnentraining in Hunderten von Schulen eingeführt wird, als Teil eines Plans zur Ausbildung einer großen Anzahl von Spezialisten.
Staatlich unterstützte Jugendorganisationen, darunter die Bewegung YunArmia, erweitern ebenfalls die Rekrutierung unter Kindern.
Laut dem Auslandsgeheimdienst der Ukraine zielen solche Programme darauf ab, eine neue Generation auf zukünftige militärische Rollen vorzubereiten.
Quellen: The Moscow Times, United24media, Auslandsgeheimdienst der Ukraine