Deutschland zieht eine klare Linie: Die EU muss gegen Orbán handeln

Peter Zeifert

2 Tage vor

|

31/03/2025
Welt
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Die EU muss gegen Orbán handeln.

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Die kommende Bundesregierung Deutschlands will die EU stärker unter Druck setzen, gegen Mitgliedstaaten vorzugehen, die grundlegende demokratische Werte verletzen – ein klarer Hinweis auf Viktor Orbáns Ungarn, auch wenn das Land nicht ausdrücklich genannt wird.

Merz und die SPD drängen auf härteren Kurs

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Der designierte Bundeskanzler Friedrich Merz und sein konservatives Bündnis haben sich gemeinsam mit dem voraussichtlichen Koalitionspartner, der SPD, darauf geeinigt, die EU zu einem entschlosseneren Vorgehen bei Verstößen gegen rechtsstaatliche Prinzipien aufzufordern.

Sanktionen konsequent anwenden

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Im Entwurf des Koalitionsvertrags heißt es, dass die bestehenden Instrumente der EU – von Vertragsverletzungsverfahren über das Einfrieren von Geldern bis hin zum Entzug von Stimmrechten – konsequenter genutzt werden sollen.

Ungarn ist gemeint – auch wenn es nicht genannt wird

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Zwar wird Ungarn nicht namentlich erwähnt, doch der häufigste Rechtsstaats-Sünder der EU ist eindeutig gemeint. Der Regierung Orbán wird seit Jahren vorgeworfen, Demokratie, Pressefreiheit und die Unabhängigkeit der Justiz auszuhöhlen.

Artikel 7 und die „nukleare Option“

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Bereits 2018 leitete das Europäische Parlament ein Verfahren nach Artikel 7 gegen Ungarn ein – die sogenannte „nukleare Option“ – wegen schwerwiegender Verstöße gegen EU-Werte. Doch das Verfahren stockt seither, da die EU-Staaten uneinig sind.

22 Milliarden Euro eingefroren – dann teilweise freigegeben

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2022 versuchte die EU-Kommission, 22 Milliarden Euro an Fördergeldern für Ungarn wegen Menschenrechtsbedenken zu blockieren. Mehr als 10 Milliarden Euro wurden 2023 dennoch freigegeben – ein Schritt, der innerhalb der EU für Kritik sorgte.

Orbáns Veto gegen Russland-Sanktionen sorgt für Unmut

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Orbáns enge Beziehungen zu Moskau belasten das Verhältnis zur EU zusätzlich. Ungarn hat wiederholt sein Veto eingesetzt, um Sanktionen gegen russische Oligarchen und Militärs zu blockieren.

Deutschland will Vetos durch Mehrheitsentscheidungen umgehen

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Um Ungarns Blockaden zu umgehen, unterstützt die künftige Bundesregierung eine Ausweitung von Mehrheitsentscheidungen in der EU-Außen- und Sicherheitspolitik – insbesondere bei Sanktionsfragen.

Deutschland will stärkere Rolle in der europäischen Zusammenarbeit

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Deutschland will künftig wieder aktiver die EU-Politik mitgestalten – unter anderem im Rahmen des Weimarer Dreiecks mit Frankreich und Polen, dessen Bedeutung unter der vorherigen Regierung nachgelassen hatte.

Abschied vom deutschen Enthaltungskurs

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Deutschland hat sich in der Vergangenheit bei EU-Abstimmungen oft enthalten – meist aufgrund interner Differenzen. Merz kündigt nun an, dass dies bei wichtigen Entscheidungen der Vergangenheit angehören soll. Deutschland werde Haltung zeigen – und nicht länger am Rand stehen.

Uneinigkeit über den Weg zum Ziel

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Allerdings gibt es noch Differenzen über den Weg dorthin: Die SPD möchte am bisherigen Verfahren festhalten, bei dem sich die zuständigen Ministerien einigen müssen. Merz hingegen fordert mehr Durchgriffsrechte, um die deutsche EU-Position direkt festlegen zu können. Eine endgültige Koalitionsvereinbarung wird bis Mitte April erwartet.